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Opa beim Fankongress 2014

Zum zweiten mal trafen sich Fußballfans aus ganz Deutschand auf Einladung von PRO Fans und Unsere Kurve in Berlin zum Fankongress. Zwei Tage, gespickt mit hochinteressanten, z.T. brisanten Themen, die in Workshops und Podiumsdiskussionen ausführlich beleuchtet werden sollten, garniert mit einigen hochkarätigen Referenten. Grund genug für Opa, dabei zu sein.

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Also Samstag in Allerherrgottsfrühe den Wecker gestellt und auf dem Weg zum Bus die Morgensonne genossen.
 
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BILD Morgensonne

Schon bei der Anfahrt in der U-Bahn kam man mit Fans anderer Vereine ins Gespräch. Wer Samstag morgens in der U-Bahn vernehmbar über JustPay spricht, kann nur auf dem Weg zum Fankongress sein und wird von Opa angequatscht ;)

Vorm Veranstaltungsort, dem KOSMOS, bildete sich eine lange Schlange, aber nicht die Sicherheitskontrollen waren dafür verantwortlich, sondern die Anzahl der Akkreditierungsplätze war begrenzt. Immerhin haben sich über 700 Teilnehmer angemeldet. In der Schlange beäugte man sich gegenseitig und es war erstaunlich, wie sonst verfeindete Fanszenen in der Sache vereint friedlich beieinander standen.
 
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BILD Schlange

Der Fankongress war sehr professionell organisiert und viele freiwillige Helfer sorgten für ein leckeres Frühstücksbuffet im Foyer. Beim Kaffeeholen stand der DFL Geschäftsführer Andreas Rettig vor Opa in der Schlange und zeigte keinerlei Berührungsängste im Smalltalk, genauso wenig wie Ingo Schiller, dem sein Abnehmen äußerst gut zu Gesicht stand.
 
Einziger Makel war, dass die Teilnahmegebühr im Vorfeld an den HSV zu überweisen war, da sollte man nächstes Jahr nochmal drüber nachdenken, Opa möchte zu gern wissen, bei wievielen Überweisungen da noch Schmähkommentare hinzugefügt wurden :)

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BILD Screenshot Überweisung

Wegen der etwas langwierigen Einlassabwicklung ging der Fankongress mit einer leichten Verspätung los. Im gut gefüllten Hauptsaal des KOSMOS wurden die Teilnehmer von Jakob von PRO Fans begrüßt, die Keynote sprach der ehem. Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn, der sich ob seiner Einladung “gleichermaßen überrascht wie erfreut” zeigte, verkörpere er als Sicherheitsbeauftragter und ehem. Polizist eigentlich alle “gängigen Feindbilder”. Kay Bernstein gab noch ein paar “technische” Hinweise und rief insbesondere den Verhaltenskodex in Erinnerung, welche Mindeststandards an “Benimm” für den Kongress gelten. Er versprach zudem, dass es bei Einhaltung ab 18 h Bier zu trinken gäbe (auch so eine Art St. Pauli Modell) :D

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BILD Hausordnung

Im Übrigen darf man davon ausgehen, dass einige Fanszenen oder Gruppen genau deshalb nicht angereist sind, weil man sich nicht auf diesen Minimal-Grundkonsens verständigen wollte.

Nach der Vorstellung der einzelnen Workshops ging es mit selbigen los und angesichts der Auswahl war die größte Schwierigkeit, sich für einen zu entscheiden.
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BILD Auswahl der Themen

Opa entschied sich für den Vormittag für Themenstrang 3 und besuchte den Workshop zum Thema Medienarbeit, wird doch allzu oft bei Fanthemen von vielen Medien einfach die Pressemeldung der offiziellen Stellen unkommentiert abgetippt. Zunächst sprach Dario Sarmardi von Amnesty International zum Thema professionelle Medienarbeit und gab einen Einblick, wie man Pressearbeit professionell organisieren kann.

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BILD Workshop

Der Journalist Andrej Reisin (u.a. NDR, publikative.org) schilderte nachfolgend, wie die Fanszene und deren Medienarbeit in den Redaktionen wahrgenommen werden. Er wies darauf hin, dass Fanthemen oftmals zwischen Sport und Innenpolitik hin- und herschwingen und bei Sportredaktionen das Thema Fans oft unbeliebt sind und Redakteure oft keinen Kontakt zu Fans haben, weil sie Stunden vorher im Presseraum und nach Abpfiff noch Stunden in der Mixed Zone gefangen sind und wenn es draußen vorm Stadion “knallt”, dann darauf angewiesen sind, die Informationen aus der Pressemitteilung der Polizei zu übernehmen, weil es schlicht keine alternativen Quellen gibt. Die sich stellende Frage, wie man seitens der Fanszene gegensteuern und professionell organisieren kann, wurde anschließend diskutiert. Es muss allen klar sein, dass hier “Krisenkommunikation” betrieben werden muss und dies i.d.R. Fanszenen überfordert und riet, die Presseabteilung der Vereine stärker einzubinden und zu nutzen. Ein hilfreicher Hinweis war sicher, dass man auch kommunizieren kann, dass man nichts weiß und z.B. die Vorfälle untersucht. Exemplarisch diente der Verweis auf das Verhalten von Vattenfall, wenn es mal wieder in einem AKW brennt. Ein im Publikum sitzender Redakteur von radio Fritz (und Dynamo Dresden Fan) beschrieb seinen Alltag und verwies auf den Quellenschutz, weshalb man seitens der Fans offener auf die Medien zugehen sollte. Ein Fan aus dem Publikum sah das etwas kritischer, weil viele Ultras bewusst Grenzen überschreiten und z.B. bewusst Straftaten begehen, die schwierig bis gar nicht zu verkaufen sind, weshalb für die meisten Gruppen eine Pressearbeit obsolet erscheint.

Martin Endemann von Football Supporters Europe verwies auf die Grenzen der Beeinflussbarkeit von Medien und riet davon ab, mit überzogenen Erwartungshaltungen an das Thema Medienarbeit zu gehen und erläuterte auch, dass es gewisse Verselbständigungen von Themen gibt (z.B. Sicherheitsdebatte). Dazu kommt, dass das Verhalten gegenüber Journalisten häufig negativ ist. Es gab ein Handout von FSE, wie Medienarbeit zu gestalten ist. Mit einem Lächeln wurde wahrgenommen, dass die Aussage, Ultras können keine Medienarbeit leisten, häufig verlogen sei, weil gerade große Gruppen selbstverständlich professionell genug aufgestellt seien und für allesmögliche Verantwortliche hätten, da sei es ein Einfaches, einen verantwortlichen Pressesprecher zu benennen. Ein Zuschauer verwies auf die häufig fehlende Legitimation innerhalb der oftmals heterogenen Szenen, insbesondere bei zeitkritischen Themen.

Wird sich zukünftig die Medienarbeit der Fans und insbesondere der Ultragruppierungen verändern? Opa hat da durchaus seine Zweifel. Die “üblichen Verdächtigen” wie z.B. die Fans des Totenkopfvereins, die in der Vergangenheit einen sehr offensiven Umgang mit den Medien pflegten, werden in Zukunft noch professioneller auftreten, wohingegen bei kleineren oder zersplitterten Szenen eher nicht damit zu rechnen ist, dass man hier Medienarbeit leisten kann oder leisten will.  

Mittagspause

Am Tisch vereinsübergreifende Gespräche, wirklich spannend, wie Fans, die sich sonst bis aufs Blut hassen und anpöbeln friedlich miteinander Erbsensuppe löffeln.
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BILD Essenausgabe

Nach dem Mittagsimbiss schnupperte Opa ein wenig hinter die Kulissen und besuchte den in den kalten Katakomben eingerichteten Medienraum, in dem fleißige Freiwillige fast “just in time” die Bilder und Videos vom Kongress nachbearbeiteten und online stellten.
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BILD Schneidetisch

Als berichtenswerte Anekdote fielen die sämtliche zum Laden von Akkus genutzten Steckdosen auf:
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BILD Steckdosen

In der Mittagspause war Gelegenheit, sich ein paar Stände anzuschauen, die im Umlauf aufgebaut waren, darunter Fananwälte, Fanprojekte, Unis und Faninitiativen. Nachfolgend ein paar Eindrücke: 

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Nach der Mittagspause besuchte Opa die Veranstaltung “Das sogenannte St. Pauli Modell – eine Chance für Selbstregulierung oder plumper Erpressungsversuch?”

Moderiert wurde die Runde von Stephan Schell, dazu kam u.a. der Fan-Wissenschaftler Jonas Gabler, Sven Brux als Sicherheitsbeauftragte von St. Pauli und Jens Volke vom Fanprojekt Dortmund. Sven Brux berichtete, dass seitens der Polizei immer mehr Verbote gefordert werden. Jens Volke sagte, man habe früher immer Diskussionen mit dem Sicherheitsdienst geführt, ob nun 5 oder 7 Schwenkfahnen erlaubt seien, am Ende habe man sich dazu entschieden, alles zu erlauben. Interessant war die Diskussion, ob eine bundeseinheitliche Regelung wirklich zu einer Verbesserung führen würde, da vor allem Vereine aus dem Süden der Republik dann ihre z.T. erheblichen Restriktionen darin wiederfinden wollten. Es wurde der Wunsch geäußert, dass Ordnungsdienste zu qualifizieren sind, damit man nicht wie bisher bisweilen üblich, wahlweise auf das regionale Chapter des dominierenden Motorradclubs oder die örtliche Kameradschaft trifft. Ein Insider verriet, dass bei Verboten von Materialien es noch interessanter wird zu zünden. Pyro wird von Ultras als Stilmittel genau wie eine Schwenkfahne betrachtet. Keiner würde eine verbotene Schwenkfahne ins Stadion schmuggel, da dies verhältnismäßig schwierig sei, wohingegen ein Bengalo eben nicht nur sehr einfach ins Stadion zu bringen sei, sondern eben auch eine verhältnismäßig große Aufmerksamkeit erzeuge.
 
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Im Publikum war Gerald von Gorrissen, Fanbeauftragter vom DFB und überbrachte die “gute” Nachricht, dass der DFB eine einheitliche “Empfehlung” hierzu abgeben werde. Aufgrund der Vielzahl an regional unterschiedlicher Gesetzeslagen (Versammlungsstättenrecht ist Ländersache, dazu Unmengen unterschiedlicher Stadionbetreiber), gab er aber zu bedenken, dass der Verband eben nicht verbindlich vorschreiben könne, was man nun mit ins Stadion nehmen darf und was nicht.

Interessant war auch, dass die Kölner Fanszene im Hintergrund ein paar Utensilien ausstellte. So viel Vertrauen untereinander (immerhin waren z.B. auch Düsseldorfer Fans dabei) gibt es beim Fankongress.
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Alles in allem war festzuhalten, dass selbst bei sonst hochemotionalen Themen wie Pyro auch bei den Sicherheitsverantworlichen kein schriller Ton entstand. Das ist auch für sonstige Diskussionen über dieses Thema wünschenswert. Das Schlusswort gehörte einem Dresdner Fan, der mit einem Augenzwinkern, aber durchaus ernst meinte, es rauche und brenne noch viel zu wenig in den Stadien.

Die Podiumsdiskussion
Für den Abend war die Podiumsdiskussion zum Thema “Fußballfans und die Polizei: Getrennt in den Farben, getrennt in der Sache?” angesetzt. Ein ungewohnter Anblick war im Foyer zu bewundern. Polizeibeamte in zivil und Uniform auf einem von Fußballfans und Ultras organisierten Kongress:
 
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Die einleitenden Grußworte sprach DFB Generalsekretär Helmut Sandrock, der sich wie alle offiziellen Vertreter von Verbänden durchaus erfreut zeigte, zu der Veranstaltung eingeladen wirden zu sein, auch wenn man bisweilen diametral unterschiedliche Auffassungen habe.

Die Podiumsdiskussion war heiß erwartet, und schon vor Beginn gab es die ersten Kontroversen, da Innenminister Jäger aus NRW abgesagt hat und dies ziemlich fragwürdig begründet hatte, u.a. pauschalisierte er in seinem Absageschreiben Fußballfans: “Straftäter reisen quer durch Deutschland, provozieren auf dem Weg zum Stadion Krawalle und Ausschreitungen” – Dabei ist in NRW doch gar kein Wahlkampf.

Die Podiumsdiskussion wurde durch den Stadionsprecher von Hertha BSC, Fabian von Wachsmann moderiert.

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Als Vertreter der Fans Christian Bieberstein von den Chosen Few, der für die Fanseite deutlich machte, dass es kein schlechtes Verhältnis, sondern gar keins gibt. Grund dafür sind u.a. fehlende Selbstkritik in den Reihen der Polizei.

Als Vertreter der Polizei kam Bernd Heinen, Vors. Nationaler Ausschuss Sport und Sicherheit, der den Wunsch nach “sich zuhören” als ersten Schritt bezeichnete, sowie Hans Hauck, Leiter Direktion 2 der Berliner Polizei und damit u.a. verantwortlich fürs Olympiastadion und die Fußballeinsätze. Prof. Albert Speer sagte unter großem Beifall, dass er auch kein dialogisches Verhältnis zur Polizei haben wollte, wenn er so behandelt würde, wie Auswärtsfans in seiner Heimatstadt Freiburg. Donato erläuterte, dass Kommunikation schon stattfindet, allerdings nur indirekt durch die Fanbeauftragten. Hendrik Große-Lefert verwies darauf, dass noch nicht überall die gebildeten Ausschüsse mit Leben gefüllt sind und verwehrte sich gegen hier gehörte Aussagen, Fanprojekte seien ja nur ein Alibi des DFB und der DFL. Schwenk ins Publikum. Erwiderung eines Fananwalts, dass in den nationalen und regionalen Ausschüssen, bis auf die KOS keine Fanvertreter sitzen. Darüber hinaus wurde darauf hingewiesen, dass Mitarbeiter der Fanprojekte als Zeugen vorgeladen werden und diese derzeit kein dringend notwendiges Zeugnisverweigerungsrecht haben, was die Vertrauensbasis zu Fanprojektmitarbeitern erodiere.

Christian merkt an, dass ein sich zuhören hier auf dem Fankongress wenig Sinn hat, wenn das nicht bei den Einsatzkräften vor Ort ankommt und verweist auf den Vorfall von Lautern, wo der Fanbeauftragte gepfeffert wurde. Ein Auer Fan aus dem Publikum verweist auf seine Grundrechte, die scheinbar da enden, wo Fans sich in Containern nackt ausziehen müssen. Heinen verweist darauf, dass der Polizist, der einen Ziegelstein ins Gesicht bekam, auch Grundrechte hat und bat um Entemotionalisierung der Debatte und dass es keinen Sinn mache, sich gegenseitig Beispiele zu nennen. Heinen verließ zwischenzeitlich das Podium, um zu telefonieren und berichtete bei seiner Rückkehr, dass es in Köln einen Vorfall gegeben habe, bei dem ein Fan so schwer verletzt worden sei, dass er wohl versterben werde. Hans-Ulrich Hauck verweist auf die Erfahrungen der Berliner Polizei am 1. Mai und die mittlerweile entwickelte Fehlerkultur, die zu einer positiven Entwicklung in der Einsatzstratgie geführt habe. Er lud zur Nachbetrachtung der Spiele auch die Fans ein. Es gibt Fehler bei der Polizei und ihm gefällt auch nicht alles, was er privat im Stadion erlebt. Er war neulich bei einer Auswärtsfahrt dabei und er war erschrocken, wie dort der Sonderzug in Empfang genommen wurde. Prof. Feltes verweist auf den Kommunikationsforscher Watzlawick, der sagte, man könne nicht nicht kommunizieren und lobt ausdrücklich das Dialog-Angebot von Hauck und sagt, dass die Probleme vor Ort gelöst werden müssen. Christian fordert eine Aussage zum Populismus der Gewerkschaftsvertreter und die fehlende Kennzeichnung von Polizeibeamten, die eine Strafverfolgung häufig unmöglich macht. Scherr ergänzt, dass es die Möglichkeit gäbe, neutrale Instanzen zu schaffen, die ein offenes Kommunikationsverhältnis ermöglichen, welches anerkennt, dass es ein Konfliktfeld gibt. Und er fordert auch die Fans auf, Bedingungen zu formulieren, unter denen sie zum Dialog bereit sind. Ein Fan aus England gestattet einen Blick über den Tellerrand, indem er berichtet, wie die englische Polizei im Fußballumfeld auftritt. Ruhig, ohne Panzerrüstung, ohne Pistole, es wird vor Zwangsmaßnahmen höflich kommuniziert und vor allem mit deutlich erkennbarer Dienstnummer auf der Schulter. Es stellt sich die Frage, inwiefern man Bereitschaftspolizisten beim derzeitigen Auftreten als Bürger in Uniform wahrnehmen kann. Ein Schalker Fan will wissen, wann eine Entschuldigung für die Verletzten vom Blocksturm wegen der Fahne kommt. Heinen antwortet, dass dazu Untersuchungen laufen und man den Abschluss dieser Ermittlungen abwarten müsse. Christian antwortete, dass er sich die selbe Vorgehensweise auch bei Stadionverboten wünschen würde (wo das Stadionverbot unmittelbar nach Beginn der Ermittlungen ausgesprochen wird und häufig aufrecht erhalten bleibt, auch wenn die Ermittlungen ergebnislos eingestellt werden). Tosender Applaus im Saal. Die Podiumsdiskussion hätte sicher noch Stunden gehen können, in Anbetracht der terminlichen Verpflichtungen einiger Teilnehmer musste diese jedoch pünktlich beendet werden.

Gibt es nun einen Dialog oder nicht? Opas Einschätzung ist, dass es in absehbarer Zeit keine Gespräche geben wird, dafür sind beiderseits die Gräben zu tief. Aber ein zarter Anfang könnte gemacht sein und der indirekte Dialog über die Fanbeauftragten und Verbandsgremien wird sicher intensiviert werden.

Abend
Nach dem Ende der Podiumsdiskussion versuchte man im Foyer bei den ersten Bierchen ein Fazit des Tages zu ziehen. Opa schnappte überwiegend positives Feedback auf, die meisten Teilnehmer zeigten sich durchaus zufrieden mit dem Verlauf. Mit ein paar Vertretern der Osnabrücker Ultraszene tingelte Opa dann noch zwei Kneipen weiter, wo sich in einer böhmischen Kneipe bei Pivo viele Kongressteilnehmer einfanden und den Abend gemeinsam feierten. Während Fans aus ganz Deutschland, Osnabrücker, Hannoveraner, BFCer, Herthaner, Dresdner, Kölner, Stuttgarter und viele mehr tschechischen Gerstensaft in sich schütteten, staunten die am Tresen hängenden Marionetten Hurvinek und Spejbl über die Trinkfestigkeit des Publikums.

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Tag 2
Erstaunlich fit erhob sich Opa zeitig aus dem Bett, nach der Dusche schnell mit der Rostbeule zum KOSMOS, wo wieder leckeres Frühstück auf die Teilnehmer wartete. Einige Teilnehmer sahen so aus, als hätten sie die nacht durchgefeiert und einige rochen auch so. Für einige schien der Fankongress also eine ganz normale Auswärtsfahrt zu sein. :D

Zur Begrüßung einleitende Worte von Jakob zum Vorfall in Köln mit einer klaren Distanzierung von Gewalt. Allerdings auch den Hinweis, dass Organisationen wie Pro Fans und Unsere Kurve solche Menschen nicht erreichen und auch nicht erreichen können. Wunsch nach Differenzierung und Besonnenheit, auch an die Medien. image

DFL Geschäftsführer Rettig bedankt sich zunächst für die Einladung und gratuliert zur erfolgreichen Organisation, drückt aber auch sein Unwohlsein über den Umgang mit der Absage von Jäger aus. Lange Ausführung über die erreichten Erfolge, mehr Gelder für Fanprojekte, Mindeststandards in Sachen Fanbetreuung, Gründung von Ausschuss “Fußballkultur”, 50+1 Stärkung… Er möchte weg von Kollektivstrafen hin zu Täterstrafen. Kampf gegen rechts. Die Vorfälle von Köln (ausgelöst von Menschen, die man mit keinem Konzept der Welt einfangen kann) dürfen nicht dazu führen, dass die Kommunikation abbricht. Ist enttäuscht, dass eine Zeitung eine ganze Seite zu den Vorfällen in Köln berichtet. Er würde sich wünschen, wenn stattdessen eine Seite über den Fankongress berichtet würde. Applaus. Er wünscht sich gebildetere Menschen, denn bei gebildeten Menschen verpuffen dumpfe Parolen wirkungslos und er schließt mit den Worten “Nazis raus”.

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Im Anschluss folgte eine kurze Vorstellung einer seit einigen Jahren durchgeführten Aktion von 1860-Fans, die Ende Januar an die Diskriminierung von “unerwünschten” Fans in der Nazizeit mit einem Aktionstag gedenken und forderte alle Vereine und Fanszenen auf, sich daran zu beteiligen.

Die folgende Podiumsdiskussion drehte sich um das Thema “Grenzen und Chancen von Selbstregulierung in Bezug auf Anti-Diskriminierung”. Leider wurde auf dem letzten Zusatz von den Diskutanten ziemlich herumgeritten, der Moderator der Podiumsdiskussion machte phasenweise einen eher blassen Eindruck.

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Hier hätte sich Opa durchaus gewünscht, dass über das Thema Selbstregulierung im Allgemeinen gesprochen worden wäre. Auch wenn die Veranstaltung im Ganzen toll war, hat man sich doch um einige Themen herumgedrückt, die man unbequemerweise hätte ansprechen dürfen, dazu gehört nicht nur, wie man sich in Kurven mit rechtslastiger Mehrheit behaupten kann, sondern eben auch, wie man z.B. allgemein mit dem Thema Gewalt im Fußball umgehen möchte oder wie man zu mehr Eigenverantwortung unter Fans kommt. Vielleicht räumt man diesem Aspekt beim nächsten Fankongress ein wenig mehr Platz ein.

In der anschließenden Mittagspause war dies u.a. auch Gespräch an den Tischen. Symbolisch für die Vielschichtigkeit der Teilnehmer hier noch ein Bild von DFL Geschäftsführer Rettig im Gespräch mit zwei Vertreterinnen eines Blindenfanclubs, stilvoll illuminiert durch ein passendes Hintergrundbild ;)

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Zum Abschluss gab es nochmal eine Zusammenfassung der Workshops und einen ersten Review, in dem man erfuhr, dass über 700 Fans von mehr als 80 Vereinen anwesend waren. Hut ab!

Fazit
Auch wenn das eine oder andere zu kurz kam und anderem nach Opas Geschmack dafür zu viel Platz eingeräumt wurde, war das ein arbeitsreicher, intensiver und gelungener Fankongress. Dank und Lob an die Organisatoren, die freiwilligen Helfer, Spender und zahlreichen Gäste. Doch nun ist Schluss mit Harmonie, ab jetzt wird sich wieder anständig angepöbelt :D

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