Du bist hier: Home » Fans » Opas Reisetagebuch – 26.2.2016 – Kölle – 7 Tage brennt der Kölner Dom

Opas Reisetagebuch – 26.2.2016 – Kölle – 7 Tage brennt der Kölner Dom

Prolog
Köln, die Domstadt am Rhein, in der jeder voller Stolz prahlt, direkt vom Römer abzustammen. Opa gibt zu, dass er nicht nur gern nach Köln fährt, sondern auch die Kölner ein klein wenig um Ihren Lokalpatriotismus beineidet. In keiner anderen Stadt Deutschlands lebt man die eigene Tradition so extrovertiert wie in Köln. Insofern stellte sich die Frage gar nicht, ob Opa fährt, sondern wenn überhaupt nur wie.

Zwischen der letzten Auswärtsfahrt war Opa auf Einladung eines OFC noch beim OFC Treffen. Viele bekannte Gesichter und die Fanbetreuung gibt sich redlich Mühe, die Veranstaltung sinnhaft mit Leben zu füllen. Als Spieler traten Shwan Kauter und Maxi Mittelstädt an, was bei vielen im Saal zu sichtbaren Fragezeichen über den Köpfen führte, wer das wohl sei. Wieviel Tiefe in Sachen Kaderkenntnis darf man von Hardcoreherthanern erwarten?

Nicht nur beim OFC Treffen wurde aus aktuellem Anlass das Thema Schwarzmarkttickets hitzig diskutiert. Es wurde dargelegt, was Hertha konkret tut, wenn sie an die Adresse von jemandem kommen, der Heimspieltickets auf eBay weiterverkauft. Die kriegen von Hertha eine Aufforderung zur Abgabe einer Unterlassungserklärung und zur Zahlung einer Vertragsstrafe ins Haus geschickt.Klingt bedrohlich, ist aber ein Fall für die Rundablage.

Juristisch kann Hertha nämlich kaum etwas dagegen unternehmen und Opa bittet alle, die sich in dieser Thematik als Hitzköpfchen engagieren und in guter Absicht als Detektive engagieren, ihr Gemüt herunterzukühlen. Es gibt zu dieser Thematik höchstrichterliche Rechtsprechung des BGH und über die kann sich weder Hertha noch jemand anderes hinwegsetzen.

1. Wenn eine Privatperson eine Karte kauft, darf und kann ein Veranstalter ihr nicht untersagen, diese weiterzuverkaufen. Das könnte nur dann eingeschränkt werden, wenn die Karten personalisiert werden. Hier sollte man genau abwägen, ob eine Personalisierung im Interesse der Fans ist, zumal selbst dann eine Weitergabe an Dritte nicht verhindert werden kann und eine Personalisierung am Einlass faktisch nicht kontrollierbar ist.

2. Wäre uns nicht mehr geholfen, würde mit dem selben Engagement dagegen angekämpft, dass wir als Tabellendritter und trotz moderater Temperaturen gegen einen Championsleagueteilnehmer wie Wolfsburg vor halbleeren Rängen spielen?

3. Ist das nicht eher mal Anlass dafür zu sorgen, dass die ganzen “Ichkriegkeinekarte-Schreihälse” sich mal endlich eine Dauerkarte zulegen, von denen wir so wenige wie kaum ein anderer Bundesligaverein verkaufen? Wer eine Dauerkarte hat, hat auch im Pokalhalbfinale seine Karte.

Opa weiß, dass seine Meinung nicht bei jedem auf Gegenliebe stößt, er wünscht sich nur, dass man vor dem Poltern denkt. Und es nutzt auch nichts, trotzig mit dem Fuß auf den Boden aufzustampfen.

Am Ende wird kein Veranstalter auf diesem Planeten verhindern können, dass Karten an Schwarzhändler gehen und so lange es Deppen gibt, die überteuerte Preise bezahlen, so lange wird auch der Schwarzhandel blühen. Es ist am Ende ein Kampf gegen Windmühlen, vergebene Liebesmüh und das, was Hertha tut bzw. tun kann, populistische Symbolik. Die Fans, die die Verantwortlichen von Hertha mit dem Thema traktieren, binden somit auch sinnlos Manpower, die unser Herzensverein an anderer Stelle vielleicht sinnvoller einsetzen kann.

Reiseplanung
Als das Spiel von der DFL dann ausgerechnet auf einen Freitag Abend terminiert wurde, hieß es nach Sichtung des Fahrplans, sich eine Unterkunft für die Nacht zu organisieren, denn zurück sollte man nach Abpfiff nicht mehr kommen. Ein Bekannter, der im Rheinland wohnt, winkte auf Nachfrage ab, er habe eine neue Freundin. Opas Einwand, das ihn das nicht störe, vermochte nicht zu überzeugen ;) Die Hotelauswahl in der Innenstadt war zwar reichlich, angesichts irgendeiner Messe wurden jedoch selbst für an Stundenhotels erinnernde, verlauste Dreckslöcher stattlichste Preise aufgerufen, die Opa nicht zu zahlen bereit war. Was nun? Da fiel Opa ein, dass man ja noch nach Unterkunftssharing gucken konnte. Das dafür bekannte Internetportal bot reichlich Auswahl und so entschied sich Opa mit seinem Reisebegleiter für eine von einer Studentin angebotenen, annehmbar erscheinenden 1 Zimmerwohnung für 20 € pro Nase. War noch die Frage zu klären, wie man hin- und wieder zurückkommt, die von Opa gekauften Geschenktickets der Bahn waren zwar günstig, aber Freitags nicht gültig. Auf einem Schnäppchenportal wurde Wochen vor dem Spieltermin dann eine Sonderaktion von Postbus angekündigt, bei der man jede Strecke zu 5 € fahren konnte. Mit einem Trick gab es obendrein noch 10% Rabatt, so dass die Hinfahrt nur 4,50 € kostete. Ein paar Tage später schob ein anderer Anbieter eine Aktion hinterher, bei der man hin und zurück sogar für nur 1 € hätte fahren können. Wahnsinn, soll nochmal einer sagen, Auswärtsfahrten wären teuer. Für den Rückweg sicherte sich Opa aus reinem Daffke eines der 1 € Tickets, allerdings wollte er spontan entscheiden, ob er nach der 8 stündigen Hinfahrt sich am nächsten Tag nochmal das gleiche antun wollte. Zur Not ging ja auch ICE. War das also schon mal geklärt. Nachdem Opa gebucht hatte, teilte sein MItfahrer mit, dass er keinen ganzen Tag Urlaub bekäme, sondern nur einen halben und daher fliegen würde. Für 27 € übrigens ;) Dafür klinkten sich wenige Tage vor der Fahrt noch zwei Auswärtsfahrer ein, die Opa auf der Hinfahrt begleiten sollten.

Reisevorbereitung
Die war diesmal kurz und schmerzlos. Am Vorabend ein paar Boulettchen gebrutzelt und ein paar Hackepeterbrötchen geschmiert, das war’s. Schnell ein paar Sachen in den Rucksack gepackt, den Wecker auf die unchristliche Zeit um 5 Uhr gestellt und fertig.

Anreise
Gerädert vom zeitigen Aufstehen ging es Richtung Bahnhof Zoo, von wo aus der Postbus losfuhr. Der freundliche Busfahrer half beim Boarding, allerdings war Opa dezent entsetzt, dass er in der ersten Reihe sitzen sollte. Na wenigstens hatte er dank des nicht stornierten Tickets seines Mitfahrers eine ganze Bank für sich. Der von Postbus eingesetzte Bus war fast nagelneu, die Sitze sehr bequem mit großem Sitzabstand, das W-LAN rasend schnell und ohne Einschränkungen (sogar youtube Videos in HD konnten abgespielt werden), das Entertainmentangebot mit aktuellen Top-Serien und -Filmen gut, dazu Zeitungen als ePaper, ein Kaffeeautomat im hinteren Bereich und beim Fahrer gibt’s gekühlte Getränke zu annehmbaren Preisen, so lässt es sich einigermaßen auch mit dem Bus bequem reisen. Bedenkt man zudem, dass Opa dafür ur 4,50 € gezahlt hatte, war das schon ein echtes Schnäppchen.

Aus Berlin raus ging es einigermaßen zügig und pünktlich erreichten wir die nächste Station Magdeburg. So kamen wir nochmal dazu, die Stadt zu sehen, bevor am 6.3. beim Auswärtsspiel der Rostocker mit zeitgleich angemeldeten, aber voneinander unabhängigen Demos der Rostocker, Magdeburger und der sich dann eingeklinkten Dresdner Fanszene die Stadt “in Schutt und Asche” gelegt wird. Der Grund für die Demonstrationen: Man war in Magdeburg ob der Brisanz des Derbys von der örtlichen Ordnungsbehörde angewiesen worden, an die Rostocker statt 2000 nur 700 Gästetickets auszugeben. Das wollten die sich nicht bieten lassen und meldeten Protest dagegen in Form einer Demonstration an. Da Dresden 14 Tage später beim Spiel in Magdeburg ähnliche Repressionen befürchtete, kündigten diese schon mal präentiv Widerstand an. Wohlgemerkt sind das 3 eher verfeindete Fanszenen, doch später dazu mehr.

Von Station zu Station füllte sich der Bus, die Fahrt zog sich und angesichts des doch eher vornehmen Ambientes kam zudem nicht so richtig Auswärtsfeelling auf, obwohl Opa den Bus dekorierte:
image
FOTO Busdeko

Mit etwas Schlafen und Filme gucken bekamen wir aber die Zeit rum und mit jedem Kilometer wurde es kribbeliger, zumal auf Whatsapp in Opas Gruppen jede Menge Menschen ihre Ankunft in Köln verlautbarten. Mit wenigen Minuten Verspätung kamen wir in Köln am Flughafen an (Köln lässt keine Linienbusse aus dem Fernverkehr mehr in die Stadt). Schnell zum Bahnsteig und mit einmal Umsteigen am Hauptbahnhof erreichten wir wenige Zeit später unsere Unterkunft, wo uns unsere Gastgeberin vor dem Haus in Empfang nahm. Ein reizendes Zimmer, exakt so, wie auf den Fotos erwartete uns, für den Preis war das super. Unsere Gastgeberin bat uns, am Samstag nach dem auschecken den Schlüssel einfach in den Briefkasten zu werfen, sie wäre jetzt 14 Tage im Urlaub. Wir hätten also theoretisch länger bleiben können. Doch schnell verwarfen wir bei einem Bllick zur Uhr Gedanken dieser Art, denn es war allerhöchste Zeit, ins Stadion zu kommen.

Opa hatte in der Woche vor dem Spiel in einem Herthaforum eine leidenschaftliche Diskussion mit ein paar Schreibern geführt, die die Verkehrsanbindung des Berliner Olympiastadions kritisierten. Es gibt am Oly sicher einiges zu meckern, aber gerade das ist nun wirklich eines der Highlights unseres Wohnzimmers. Ein einzigartiger S-Bahnhof mit einer Kapazität von 48.000 Zuschauern pro Stunde, dazu ein leistungsfähiger U-Bahnhof, wo Züge im 3 Minuten Takt Zuschauer an- und wieder abfahren und obendrein neben den rund 3500 Parkplätzen direkt am Stadion, von denen 1800 zudem kostenfrei sind, gibtś ja noch die Messeparkplätze, so dass wir uns definitiv nicht verstecken müssen vor den “großen” Stadien des Landes. Und wer mal in kleineren Städten wie Köln war, wird nie wieder ein schlechtes Wort über die Verkehrsinfrastruktur des Olympiastadions verlieren. Denn in Köln ist die An- und Abreise schlichtweg eine Katastrophe, was daran liegt, dass die U-Bahn in Köln im Grunde genommen nichts weiter sind als schmale Straßenbahnen, die zeitweilig unterirdisch fahren. Kleine Wagen in der Kombination mit vielen Menschen ergibt Chaos pur und rund eineinhalb Stunden vor Anpfiff fahren die Bahnen stur im Fahrplantakt. Opa und seinem Begleiter gelang es, eine der bumsvollen Bahnen am Neumarkt zu besteigen. Festhalten musste man sich jedenfalls nicht, denn die Menschen standen kraftschlüssig in den Wagen. Die Scheiben beschlugen und Opa versuchte der Situation etwas humorvolles abzugewinnen, indem er mit den umstehenden Mitreisenden über die Geschmacksrichtung des nächsten Saunaaufgusses spekulierte. Schweiß, Knoblauch, Bier?

Zu guter letzt sagte 5 Stationen vor Erreichen des Stadions der Zugfahrer noch durch, es gäbe eine Störung am Triebfahrzeug, der Zug könne nicht weiterfahren und alle mögen bitte aussteigen. Opa sah den Mob schon den Galgen bauen, doch außer zynischem Gelächter gab es keine Reaktionen, als die Bahn ihren Inhalt in die mittlerweile Einzug gehaltene Nacht entließ. Opas Instinkt ließ ihn entgegen der Masse übers Geländer krabbeln und diese Entscheidung erwies sich als goldrichtig, denn als erste erreichten wir eine Ersatzbahn, die von einer um die Ecke befindlichen Haltestelle Richtung Stadion fuhr. Glück gehabt. Dort angelangt ging es auf vergleichsweise kurzem Weg zum Stadion. Die Staatsmacht war einigermaßen entspannt und gab freundlich Auskunft, wie man den Gästeblock erreichte, einzig die Reiterstaffel sollte wohl symbolisieren, dass man keine Kompromisse in Sachen Sicherheit eingehen wollte. Die “Damen mit dem Schimmel zwischen den Beinen” kamen jedoch erst nach dem Spiel zum Einsatz.
image
FOTO Reiterstaffel

Architektonisch hat man sich in Köln wenigstens Mühe gegeben, nicht nur einen reinen Zweckbau hinzustellen, schon von außen macht das Stadion was her, auch wenn jede Menge Sichtbeton zu sehen ist.
image
FOTO Sichtbeton

Nach Begrüßung einiger Herthaner stellte sich Opa an. Die Einlasskontrolle als “pingelig” zu bezeichnen, ist reichlich untertrieben. Nicht nur, dass der Einlass einzeln und nur dann erfolgte, wenn ein Ordner das freigab, dieser tastete auch jede Stelle des Körpers ab, incl. Griff in die Schuhe. Nebenan stand wie angekündigt ein Pyroschnüffelhund. Meine Fresse, was für eine alberne Nummer, die zudem jede Menge Eskalationspotential beinhaltet, denn mit jeder Minute, die der Anpfiff näher rückte, erhöhte sich der Druck und der Unmut der Einlass begehrenden Herthaner.

Im Stadion
Nachdem der Firlefanz mit der Einlasskontrolle geschafft war, galt es noch, die Außentreppe zum Sitzplatzbereich zu erklimmen. Trotz Höhenangst ging das, weil die Treppen breit genug sind. Oben angekommen traf Opa viele bekannte Gesichter und schaute sich nach einem unbekannten Gesicht um, denn aus dem immerhertha Blog war noch ein User mit nach Köln gefahren. Nach einem Telefonat stellten wir fest, dass wir direkt nebeneinander standen ;) Sympathischer Kontakt, vor allem, weil er Humor hat und auch über sich lachen kann. Nettes Plaudern beim Bier überbrückte die Zeit bis zum Anpfiff, während sich um uns herum das Stadion immer mehr füllte.

Neben dem stadiontypisch-albernen Vorgeplänkel ist es in Köln wirklich beeindruckend, wie nicht nur das ganze Stadion die Hymne “Mer stonn zu Dir” von den Höhnern mitsingt sondern auch in allen Bereichen des Stadions, auch auf den Geraden und in den VIP Bereichen die Schals hochgehen, später gewedelt werden und aus voller Kehle alle Strophen gesungen werden.

Und Opa ist tatsächlich ein bißchen neidisch auf die Cheerleader, auch wenn er mit solchem Ansinnen da bei Hertha auf – nennen wir es mal – rustikal-puritanischen Widerstand stößt. Steter Tropfen höhlt vielleicht den Stein, es muss ja keine ganze Abteilung beim e.V. werden, man kann da auch kooperieren ;)
image
FOTO Cheerleader

Apropos schöne Frauen. Am Bierstand glaubte Opa seinen Augen kaum zu trauen. Das ist doch… die sieht doch aus wie… richtig, Penny aus The Big Bang Theory, oder zumindest ihre Doppelgängerin. Opa ist ja nicht schüchtern, also nach dem obligatorischen 3mal klopfen und Penny sagen nach einem Foto gefragt. Normalerweise kommt ja niemand mit seinem Gesicht in Opas Tagebuch, aber bei Prominenz (und dem ausdrücklichem Einverständnis das veröffentlichen zu dürfen) macht Opa eine Ausnahme ;)
image
FOTO “knock, knock, knock – Penny”

Opa suchte sich im Sitzplatzbereich zunächst ein Plätzchen in der Nähe einer Gruppe, die in den vorderen Reihen des Sitzplatzblocks standen und genoß das Panorama beim Einlauf der Mannschaften.
image
FOTO Stadionpanorama

Nachdem das Spiel begonnen hatte, fiel Opa ein Pärchen auf, was trotz laufendem Spiels und frenetischen Anfeuerungen um sie herum ausschließlich damit beschäftigt war, von sich Selfies zu machen und Sprachnachrichten per Whatsapp zu verschicken. Nicht “mal”, nein das ging über die gesamte erste Halbzeit. Fragen schossen durch Opas Kopf: Was machen die da? Und wozu? Joko und Klaas in Verkleidung? Castingshow? Wollen die sich fürs Dschungelcamp bewerben? Meine Fresse…
image
FOTO Selfiepärchen

Im neutralen Block neben den Stehplätzen plötzlich Aufruhr. Ein paar Herthaner und ein paar Kölner gerieten aneinander. Das “Kuttenschubsen” ging in erster Runde unentschieden aus, die Ordner befriedeten das. Ein Kölner ging dann aber nochmal in die zweite Runde und als dieser anfing, ein paar Kneipenschwinger auszuteilen, wurde er von den Ordnern robust aus dem Stadion geführt. Punktsieg Hertha und vielleicht ein Omen?

Das Spiel war nach Opas Eindruck ein ziemliches Gewürge. Hertha wollte etwas vorführen, was die Mannschaft nicht kann. Das sah nach dem Versuch von Verwaltungsfußball anstatt einigermaßen kontrollierter wie kontrollierbarer Offensive aus. Und so versprangen den Herthanern Bälle im Mittelfeld, die Kölner waren allerdings so gefährlich wie eine Kinderbastelschere und konnten aus den Fehlern nichts machen. Mit dem Glück des Tüchtigen und des “weniger schlechten” gelang kurz vor der Halbzeitpause das 1:0. Jubel allenthalben. Den Rest des Spiels versuchte Hertha das Ergebnis über die Zeit zu retten. Auf Zeit spielen ab der 60. Minute. Legen wir den Mantel des Schweigens drüber, wer das nicht gesehen hat, hat auch nichts verpasst. Interessanter waren da schon die “Drecksberlin” Kritzeleien auf der Toilette, wobei nicht klar war, ob das uns oder den Förstern im Wald galt, bei denen Opa einen solchen Duktus nachvollziehen könnte ;)
image
FOTO Drecksberlin

War sonst noch etwas? Ach ja, es wurde von den Kölnern ein Transparent hochgehalten, was die “Nachwuchspolitik” einer der Berliner Ultragruppen zum Thema hatte. Kann man mit einem Schmunzeln abtun, vermutlich wird das bei den Betroffenen mit weniger Humor betrachtet, aber das ficht Opa nicht weiter an.

So kam Opa auch dazu, sich mit einer Hertha-Auswärtslegende und dessen Begleiter bei einem von “Penny” servierten Bier zu unterhalten, der aus Rostock mitgereist war und Details über die oben bereits erwähnten Fandemos zu berichten wusste. Bei der Polizei in Rostock sei man “überrascht” gewesen und schätze nach Anmeldung von 3 Demos von jeweils untereinander verfeindeten Fanlagern am Spieltag die Lage als “unübersichtlich” ein, was dazu geführt hat, dass statt der ursprünglich nur 700 Gästetickets nun doch 2000 Gästetickets ausgegeben wurden. Fanprotest kann also sehr wohl etwas bewirken. Von einer Rücknahme der Demoanträge ist bislang allerdings nichts zu lesen und Opa fänd’ es auch durchaus gut, wenn trotzdem demonstriert würde. Motto: “Wir haben den Spaß, ihr die Überstunden” – diejenigen, die aus willfährigem Angstbeißertum solche Anordnungen Woche für Woche treffen, müssen sich darüber bewusst werden, dass das nicht ohne Konsequenzen und nicht unbeobachtet bleibt.

Nachspiel
Glücklich und mit 3 Punkten im Gepäck verließ Opa das Stadion, vor dem die Staatsmacht postiert war und versuchte, mittels symbolischer Präsenz einem Aufeinandertreffen der “Lager” die Brisanz zu nehmen.
image
FOTO “Präsenz”

Blieb aber weitgehend ruhig. Ein paar Kölner gerieten auf dem Weg zur Tram untereinander aneinander, die Hottehüh-Polente ging mit piepsiger und wenig Eindruck schindender Stimme dazwischen, was zunächst wenig Wirkung zeigte, als sich dann aber das offensichtlich gut ausgebildete und gut geführte Polentepferd zwischen die Streithähne stellte, war relativ schnell Ruhe, mit einer knappen Tonne Fleisch legt man sich offensichtlich nicht soooo gern an. Ist Opa auch lieber als das in den letzten Jahren bei der Staatsmacht so beliebte Pfefferspraygesprühe.

Weiter ging´s, vorbei an einem beeindruckend großem Haufen, bei dem wir uns fragten, ob man jemandem ob der Größe der Ladung Respekt zollen sollte oder einfach nur jemandem ein riesiger Ketchupbehälter runtergefallen war. Egal, ein Foto war es allemal Wert:
image
FOTO Ketchup oder Kotze?

Es war ein Wochenendauftakt nach Maß. Egal, wie alle anderen Mannschaften spielen würden, Hertha würde nach dem Spieltag auf Platz 3 verbleiben. Das musste gefeiert werden. Opa hat ein paar Kölner Bekannte und die gaben ihm auch früher schon immer bezüglich des abendlichen Weggehens den Rat, einen Bogen um die Kneipen einer bestimmten Brauerei zu machen. Kölsch ist nicht jedermanns Sache, was sich in dem Sprichwort

“Wer Ziegen fickt
und Kotze kaut,
der trinkt auch das,
was der Kölner braut”

destilliert. Opa mag Kölsch an sich ganz gern, zumal es ein traditionelles, obergäriges Bier ist, welches schon vor Erfindung der Kältemaschine zuverlässig gebraut werden konnte. Wenn nur die kleinen Gläser nicht wären, aber so können selbst ungeübte Trinker mit einer astronomisch hohen Zahl an getrunkenen Gläsern prahlen.

Für den Kölner ist Trinken ja ein kommunikativer Akt. Opa sortiert sich eher bei den Wirkungstrinkern ein, die nach dem Motto leben “wer mir ins Bier quatscht, fängt sich eine” – aber das geht in Köln schlecht. In ortskundiger Begleitung enterten wir ein Brauhaus am Heumarkt und orderten beim traditionell schnoddrigen Köbes die erste Runde nicht voll eingeschenkter Reagenzgläser. Diese Betrügerei ist dem Kölner, dessen Reichtum ja im Grunde genommen auch historisch nur auf Grenz- und Zollerpressung zurückzuführen ist, nicht auszutreiben und es macht auch keinen Sinn, das zu monieren.

Monieren mussten wir aber, dass die Küche bereits geschlossen war. Opa hatte Hunger und bevor allzu viel des Gerstensafts die Kehle herunterfließen sollte, musste erst eine Grundlage geschaffen werden. Also nach dem ersten Sturztrunk wieder raus. Glücklicherweise fand sich gleich im Nachbarhaus eine Imbissbude, die Spießbraten mit belgischen Pommes als Imbiss anbot. Dass sie dafür 7 € verlangten, war zwar nah am Wucher, aber in der Not frisst auch Opa keine Fliegen und mal abgesehen von einer eher zähen statt knusprigen Schwarte war das auch durchaus genießbar als Grundlage.
image
FOTO Spießbraten

Nach der Stärkung ging es zurück an die Tränke. Der Köbes kam bei uns ordentlich ins Schwitzen und musste für sein Geld reichlich rennen. Glückglückglückzoschleer. Mammanonerunde. Die Kölner um uns rum gratulierten zum Sieg und – was beinahe noch stolzer machte – zur guten Platzierung in der Tabelle. Glückglückglückzoschleer. Mammanonerunde. Bei Kölsch geht das mit den Runden sehr schnell. Glückglückglückzoschleer. Zack, weg. Mammanonerunde. Gegen eins kam der Köbes an den Tisch und läutete die letzte Runde ein, obwohl wir durchaus noch durstig waren. Und so outete sich Köln halt doch als Provinz. Und selber schuld, da hätten auf dem Deckel durchaus noch mehr Getränke Platz gehabt (aus Rücksicht vor Opas “hatern” wird er einen Teufel tun und die Personenanzahl nennen, durch die die getrunkenen Biere zu teilen sind – haters gonna hate und ihr könnt Opa mal gepflegt… *piep* wo der *pieeeeep* wächst)
image
FOTO Deckel

Da Opa um 5 Uhr früh aufgestanden war und man am nächsten Tag auch noch etwas vor hatte, beschlossen wir, den Abend zu beenden und mit dem Taxi gen Unterkunft zu fahren. Wie ein Stein fiel Opa ins Bett und schlief den Schlaf der Gerechten.

Tag 2 – Sightsseing
Nach dem Frühstück verließen wir die Unterkunft Richtung Innenstadt, wobei auffiel, dass in unserem Haus die Vertretung der Linken untergebracht war. Ein für Fußballfans gänzlich ungeeignetes Plakat verlautbarte die Parole “Solidarität statt Hassparolen” – das mag bei Menschen in Not der Fall sein, aber sicher nicht bei Fußballfans verhasster Clubs ;) Früher gab´s jedenfalls andere Parolen wie “Auf zur Planerfüllung” oder “Von Moskau lernen, heißt siegen lernen”. Und früher war mehr Lametta.
image
FOTO Die Linke

Opa war schon soooooo oft in Köln, geschäftlich (Arbeit für ein in Bonn angesiedeltes Unternehmen) wie privat (vor vielen Jahren sogar zweimal eine Freundin dort) und hat entsprechend viel Zeit verbracht. Insofern sind die Ansprüche an das, was man sehen will, relativ übersichtlich. Dom ist aber ein MUSS! Keine Sorge, diesmal keine ganz so lange Ausführung über die Baukunst der Gotik wie beim Tagebuch aus Heidenheim und Stuttgart. Aber ein paar Fotos und Facts müssen schon sein.

Der Bau wurde 1248 begonnen und 1880 fertiggestellt. 632 Jahre Bauzeit – soll nochmal ein Kölner uns sagen, wir wären mit dem Bau des neuen Flughafens zu langsam. Zumal – und das kann man dem vor Stolz auf seinen Dom in der Regel platzenden Kölner nicht oft genug sagen – ohne uns Preußen bzw. unserem König wäre der Dom heute noch der Pferdestall, zu dem die napoleonischen Truppen die zwischenzeitliche Bauruine gemacht hatten. Ohne Friedrich Wilhelm IV., der die Führung und die Finanzierung der abschließenden Bauarbeiten übernahm, gäbe es den Dom nicht. Der Kölner war über rund 600 Jahre nicht in der Lage, den Bau fertigzustellen.

Zum Dank macht sich der Kölner übrigens noch lustig. Der Karnevalsgruß, die Orden der Karnevalisten, die Mützen, all das verhohnepiepelt die preußischen Besatzer. Der Kölner wäre nach eigenem Bekunden lieber Römer oder Franzose, man wisse ja zu leben etc. Karneval geht für einen Preußen schon allein aus diesem Grunde nicht. Auch nicht dann, wenn er wie Opa katholisch – oder wie es der Kölner ausdrücken würde – “normal”(en Glaubens) ist.

Nichtsdestotrotz ist Köln eine Reise wert und der Dom beeindruckend. Genießt die Impressionen:
image
image
image
image
image
image
image
FOTOS Dom drinnen und draußen

Nach dem Kulturteil wollte Opa noch ein wenig herumschlendern. Und siehe da, man sah, dass Hertha in der Stadt gespielt hatte, reichlich Streetart war zu bewundern:
image
image

FOTOS Streetart

Ein Spaziergang am Rhein bei bestem Wetter später…
image
FOTO Rheinpanorama

…und schon hatte Opa wieder Hunger. Also ein nettes Brauhaus gesucht und da Opa ja auf Reisen ist und somit offiziell vom Fasten befreit, durfte es der Braukutscherteller mit einem 500 g Fleischstück sein:
image
FOTO Teller

Pappesatt hätte Opa sich am liebsten zu einem Mastnickerchen hingelegt, doch aus dem Gästezimmer waren wir schon ausgecheckt und wie ein Penner auf die Bank wollte er sich auch nicht hinlegen. Also weiter in die Stadt und die Rückreisegruppe suchen, denn Opas mittägliche Begleiter hatten sich für die Flugvariante entschieden. Der eine fuhr zum Flughafen, der andere zum Hoppen auf die andere Rheinseite zu Viktoria Köln.

Vorbei am “Brauhaus zum Pfaffen”, welches draußen das durchaus sympathische Kölner Lebensgefühl im Umgang mit der Obrigkeit mit dem Trunkenbold auf den Schultern des Klerus sinnbildlich darstellt…
image
FOTO Brauerei zum Pfaffen

…war die Rückreisegruppe genauso schnell gefunden wie ein Brauhaus, wo wir noch auf ein paar “Glückglückglückzoschleer – Mammanonerunde” einkehrten. Am Nebentisch fiel uns ein Hund auf, der locker auch als Schaf durchgegangen wär:
image
FOTO Hund

Der Kölner scheint eine große Affinität zu Schafen und Ziegen zu haben ;)

Um Fünfzehnuhrirgendwas enterten wir den ICE nach Berlin, besetzten 2 Tische und genossen gut gelaunt unser “Flüssigmitbringsel” für die Heimfahrt. Opa begann schon mal Tagebuch zu schreiben, als es seine Mitreisenden nach “Luft” sehnte, dem Berliner Pfefferminzlikör. Als dann aber einer der Mitreisenden diese Becher…
image
FOTO Rosa Becher

…verteilte, wollte dann doch keiner mehr trinken :D

Weitgehend ereignisarm schunkelten wir Richtung Berlin in einem Zug, der sich immer weiter füllte. In Wolfsburg stiegen noch ein paar Fans der Autostädter und Seppls ein, die gegeneinander gespielt hatten, was nicht ohne einen Flaschenwurf zu gehen schien. Na klar, Fans von Wolfsburg, die in Berlin wohnen und Seppls aus dem Umland. Sagt eigentlich alles und da darf es einen auch nicht wundern, wenn die paar verbliebenen Gehirnzellen nur noch für Atmung und Herzschlag ausreichen. Meine Fresse, was für eine Truppe und da die Bahnpolente noch ermitteln wollte, verzögerte sich die Weiterfahrt um ein paar Minuten. Der Übeltäter war aber längst entschwunden und so fuhr der Zug nach knapp 20 Minuten endlich weiter. Mit leichter Verspätung fuhren wir am Abend in Berlin ein, neben Opa stand Jessica Kastrop von sky, die wohl als Field Reporter an dem Tag in WOB unterwegs war und sich mit ihrem zweiköpfigen Team interessanterweise relativ offen unterhielt. Egal, wenn es nach Opa geht, gehören Sportlerinterviews eh verboten, da kommt nie etwas gescheites bei raus, das war schon vor Jahrzehnten so und wird sich auch in Zukunft nicht bessern.

Aber damit war Opas Fußballwochenende noch nicht vorbei, denn am Sonntag standen noch ein paar Amateurspiele an. Nach einer Fahrt in der historischen U-Bahn…
image
FOTO U-Bahn B II

…wo man wegen der Holzbremsen und der damit verbundenen Rauch- und Geruchsentwicklung locker einen Aal hätte räuchern können und wo sich Opa nebst Begleiter fragte, wann wohl die ersten Rauchmelder losgingen und nach einer Faßbrause vom Fass (!)….
image
FOTO Faßbrause

…und einem Mittagsimbiss in Papes Gasthaus in der Sonnenallee ging es mit dem Auto raus nach Wannsee. Opa hatte am vorigen Wochenende jemanden aus der Ostkurve beim Hoppen in Neukölln getroffen, der beim FV Wannsee spielt und der hatte Opa eingeladen. Tolle Anlage, die der BfV zusammen mit dem DFB da in Wannsee hingestellt hat. Nagelneue Umkleidekabinen auf Profiniveau, aber nicht ein einziger Zuschauerplatz. So stellt man sich in den Verbänden offensichtlich die Zukunft des Fußballs vor, wo Anfeuerungen und Gesänge vom Band eingespielt werden, als sei Fußball eine amerikanische Sitcom. Völlig bescheuert, zumal für die Rasenpflege das Grünflächenamt die Zuständigkeit hat und der Platz aufgrund dieser “Fürsorge” quasi nie bespielt werden kann. Schilda lässt grüßen.

Am Zugang zum Kunstrasenplatz zwei räuberische Opis, die uns ernsthaft pro Nase 4 € (!) abnahmen. Vier Euro sind nicht viel Geld, aber das ist ein Spiel der Bezirksliga Staffel 3 und es gab außer dem Schiri keine Unparteiischen. Unter laut vernehmbarem Pöbeln und Protest zahlte Opa die verlangte Raubritterabgabe, wenn da nicht hinterm Zaun ein Casino gewartet hätte, was die Aussicht auf kurzfristiges Aufwärmen vom eisigen Wind bot, wär Opa hinterm Zaun geblieben und hätte 90 Minuten den Opis erzählt, wo sie sich ihre Kassenrollen hinstecken können. Die Eistonne brauchte Opa aber nicht, es war auch so kalt genug und das wenig später beginnende Spiel war auch wenig geeignet, die Herzen der Fußballfans zu erwärmen. Im Casino gab´s trinkbaren Café für 1 € und die Sportmolle für 2,20 €, dazu eine liebevolle Bedienung wie Imbißkarte mit Klassikern des Sportcasinos wie Bouletten oder Currywurst mit Pommes.
image
FOTO Wannsee

Da Opa noch zu anderen Spielen wollte, ging es zur Halbzeit weiter Richtung Heimat. Auf dem Hertzbergplatz spielte der FC Neukölln gegen TuS Makkabi, eine etwas brisante Begegnung und Tatsache, es gab einen Ordnungsdienst mit 4 Ordnern, Flatterbänder und sogar 6 von der Polente waren da, um auf eine Handvoll finster dreinblickender arabischer Jugendlicher auf der einen Seite und auf der anderen ebenso eine Handvoll Fans mit Jutebeutel und Refugees welcome Mützen aufzupassen. Blieb aber alles ruhig, vom neuen “Superstar” und Spielertrainer des FC Neukölln, Michael Fuß, war allerdings nichts wahrzunehmen.
image
FOTO Neukölln

Also weiter zur Buschkrugarena, wo die dort ansässige Concordia Britz gegen Lübars antrat. Unter den Fans bekannte Gesichter aus der Ostkurve, die um ihren mitgebrachten Kasten Pils standen und fleißig gegen einen hitzköpfigen Spieler des Gegners pöbelten. Und dieser zurückpöbelte. Amateurfußball, wie er leibt und lebt und wie Opa ihn mag. Direkt, ehrlich, authentisch.
image
FOTO Buschkrug

Wenn Opa eines Tages keine Lust mehr hat, altbekannte Stadien zu besuchen oder der moderne Fußball mit seiner fiesen Fratze das Fandasein vor Ort weiter madig macht, richtet Euch ein auf spannende Tagebücher aus den Amateurstadien zu lesen. Und wer mal mitkommen mag, egal ob Amateurspiel oder zu Hertha, über dessen Post freut sich Opa bei facebook oder twitter.

Und wann brennt nun der Kölner Dom?
Opa war nicht das letzte mal in der Domstadt und wenn Opa was kann, dann sind es Cliffhanger :D

Impressum :::::: © protected content 2002 - 2014 hertha-inside.de

Scroll to top