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Opas Reisetagebuch – 17.5.2014 – Babelszwerg – Das Gute liegt oft so nah…

Die Saison ist vorbei, Opa konnte drei Auswärtsspiele der Hertha nicht mitfahren, da lag es nah, die letzte Auswärtsfahrt zu den Regionalkonkurrenten in Potsdam anzutreten. Auswärts mit einem ABC Ticket hat man ja nicht so oft. Also traf sich Opa mit einem Kumpel am Tag des Pokalfinales zur “Auswärtsfahrt”, Opa löste mit seiner VBB-App ein Tagesticket ABC für stolze 7,20 € (das ist ja teurer als WET!) und düste mit der S-Bahn nach Babelsberg. Auf dem Weg dorthin fielen nicht nur die Massen an “Fehlfarben” in gelb-schwarz und rotweiß auf, es stiegen in die S-Bahn gen Potsdam auch merkwürdige Gestalten zu. Da war der Punker mit seiner merkwürdigen Fanshop-Babelsberg-Jacke, dazu diverse “Nulldrei” Fanartikel tragende Gestalten des Typs “Studienrat”, die ihre politische Gesinnung unter dem Konterfei von Karl Liebknecht exponieren und so nun doch noch in den Genuß kommen, einen roten Stern auf der Mütze oder der jcke zu tragen, was ihnen wegen des Radikalenerlass jahrzehntelang unmöglich war. Nunja, auffällig nur, dass viele von denen in Zehlendorf zustiegen, einem nicht gerade als Arbeiterviertel bekannten Bezirks. Naja, Wasser predigen und Wein saufen, so kennen wir die Herrschaften aus dem Vorort ja.

In Babelsberg angekommen überkam Opa und seinen Mitreisenden wegen des “Wegbiers” ein dringendes, menschliches Bedürfnis. Doch wo? Die Kneipe am Bahnhof hatte geschlossen, die Imbisse und Spätkaufs hatten keine. Was macht man also in der Not? Man sucht sich eine abgelegene Ecke und siehe da, wir waren dort nicht allein. Nicht nur, dass dort ein paar bekannte Herthaner auftauchten, plötzlich fühlte sich auch eine Anwohnerin bemüßigt, unser Treiben lautstark schimpfend zu kommentieren, was uns jedoch wenig beeindruckte ;)

Interessanterweise war diesmal am Bahnhof nicht ein einziger Behelmter zu sehen und weder die Stimmung noch die Mengen waren nun Anlass, das als Fehleinschätzung der Lage zu betrachten. Also die Straße Richtung Stadion den Massen hinterhergetrabt, bisweilen lustige Gesprächsfetzen von Babelszwerg-Ultras aufgeschnappt, die irgendwie etwas fremdelten, als sie aus unseren Gesprächsfetzen schlossen, dass wir Herthaner sind. Aber das war alles ziemlich reibungsfrei, für so eine richtige Rivalität oder gar Derbystimmung sind die auch zu unwichtig.

Nettes Detail am Rande: Aus einer Grundstückseinfahrt heraus boten ein paar Kinder Kaffee und Kuchen zu sehr zivilisierten Preisen. Geschäftstüchtig scheinen die Babelszwerge ja zu sein ;)
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FOTO Kuchen

Vorm Einlass zum Gästeblock trafen wir uns mit ein paar Herthanern, die meisten waren schon im Block, wir waren auch etwas später dran. Zwei Handvoll Behelmte standen gelangweilt auf der gegenüberliegenden Seite und stellten sich auf einen ruhigen Dienst ein. Ob das auch so gewesen wäre, wenn nicht zeitgleich das Pokalfinale stattgefunden hätte? Man weiß es nicht.

Die Ordner waren durchaus nett, die Kontrolle war schnell erledigt, Eintrittskarten für den nicht überdachten Stehbereich lagen bei 10 € und Opa ärgerte sich die Platze, als er las, dass darin ein Tagesticket für den Tarifbereich ABC enthalten war. Übrigens: Babelsberg ist damit genau wie Hertha nicht nur auf umwelt- wie fanfreundlichen Weg. In Köpenick verweigert man bisher die Einführung des Kombitickets, schreit aber lautstark nach Senatsgeldern und der BVG, das Verhalten im Wald wird immer “authentischer”. Haben wollen, Eintrittsgelder scheffeln und ansonsten die Probleme sozialisieren. Wie werden die sich erst anstellen, wenn sie die angedachte Abspaltung der Profis in eine Kapitalgesellschaft vollzogen haben? Aber Hauptsache die Legende vom Senatsramos weiter stricken. Aber nicht mit Opa, der immer wieder gern daran erinnert, dass die Waldmenschen nicht nur das Grundstück faktisch geschenkt bekamen, nein, auch die 580.000 € für die Rasenheizung hat der Steuerzahler bezahlt, nun soll der Steuerzahler die katastrophale Verkehrssituation an Spieltagen lösen, man will aber nicht mal den VBB Anteil für die Tickets (1,10 € für eine Tageskarte, rund 22 € für eine Dauerkarte) bezahlen. Und niemals vergessen!

Aber Opa schweift ab: Direkt hinterm Eingang wartet die Getränkebude mit frisch gezapftem und eiskaltem Astra für fanfreundliche 3 € je halbem Liter. Einziger Kritikpunkt hier: Ein Zapfer für geschätzte 350 mitgereiste Herthaner ist ein bisserl wenig, daher bildete sich immer wieder eine lange Schlange.

Egal, Opa nahm eins auf die Hand und ging die Treppe hoch zum Gästeblock. Es war Regen vorhergesagt, in Wahrheit bollerte die Sonne auf Opas Glatze, so dass er sich bald ein Plätzchen im Schatten suchte, den ein paar Bäume auf einen kleinen Teil am oberen linken Rand des Gästeblocks warfen. Den Herthafanblock konnte man grob in drei Kategorien einteilen. Rechts standen die “Familien”, mittig die “Pöbler” und links ein paar bekannte Gesichter aus der “Fanszene”. Insbesondere unter den durch Pöbeln auffallenden jungen Herren Anfang zwanzig waren Opa gänzlich unbekannte Gesichter. Opa versteht es durchaus, dass man beim Fußball gern pöbelt, auch Opa hat wenig Sympathien für den Kommunistenkult der Vorstadthausbesetzer. Aber wieso jemand, der sonst bei Hertha nicht in Augenschein tritt, sich so benehmen muss, entzieht sich Opas Verständnis, zumal die eine oder andere Äußerung schon mehr als grenzwertig war. Egal, solche Gelegenheitspöbler verdienen nicht mehr Aufmerksamkeit als unbedingt notwendig.

Für die Verköstigung des Fußballreisenden war ein Pavillon aufgebaut, in dem gegrillt wurde. Die einzig positive Erinnerung war die junge Dame, die dort bediente und sich offensiv als Herthanerin outete (und unglücklicherweise in von Babelsberg beauftragten Caterer arbeitete). Der Rest der Verköstigung fiel eher in die Kategorie “Bäh” – Würste auf Vorrat gegrillt, bisweilen verkohlt, das passte aber zu den ebenfalls auf dem Grill verkohlten Aufbackbilligbrötchen Marke “Bauschaum”. Dass für diese Frechheit dann noch 2,50 € für eine Bratwurst und 3,50 für ein Mininackensteak in Fertigmarinade verlangt wurden, konnte auch die junge Dame nicht weglächeln, die zudem sehr auf Hygiene bedacht war und bei der Zubereitung der “Currywurst“ Latexhandschuhe trug. Nächste mal bringt sich Opa selbst was mit. Bzw. hatte er ja, aber ein paar Mitfahrer wissen mittlerweile, dass Opa immer was selbstgemachtes zu essen dabei hat und hatten Opas Bouelletenvorrat geplündert. Ab nächster Saison wird Opa da was für seine Solikasse verlangen :D
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FOTO Grill

Opas Stadiontest ging also weiter, denn das verstoffwechselte Astra wollte seine bestimmungsgemäße Reise fortsetzen. Also die geflieste Abteilung aufgesucht und von dem, was dort geboten wurde, dürften sich sogar Bundesligisten eine Scheibe abschneiden. Es war recht sauber, es war gut gelüftet, es gab Wasser, Seife UND Handtücher. Opa war glücklich.

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FOTOS Sanitärbereich

Nicht glücklich war Opa mit dem Spielverlauf. Nicht, dass Hertha schlecht gespielt hätte, aber das Ergebnis enttäuschte. Die vom sympathischen Ante Covic geleitete Nachwuchsabteilung verlor 1:0, hat damit nicht nur einen direkten Konkurrenten um die Nichtabstiegsplätze stark gemacht, sondern ist nun noch im Zugzwang, nächste Woche gegen die Lokfahrer nicht verlieren zu dürfen, um den Klassenerhalt sicherzustellen. Wer dabei sein will: Nächster Samstag, 13:30 h im Amateurstadion (Zugang über Waldbühne!), für Mitglieder und Dauerkarteninhaber ist freier Eintritt, wir haben ein Dach, leckere Currywurst und da wird Opa mit den “Alten Säcken” den Jungspunden vormachen, wie man niveauvoll pöbelt ;)

Die Rückreise gestaltete sich recht unspektakulär, Opa wurde von jemandem im Auto mitgenommen, das restliche Programm des Tages führte uns in Berliner Kneipen, bei deren Namen wie “Imma uff” oder “Magendoktor” man sich durchaus vorstellt, dass deren Wände wohl gefliest sein müssen ;) In einer Kneipe in der Kantstraße trafen wir auf feierwütige Doofmunder, die sich die Zeit bis zum Pokalspiel mit Trinkspielchen wie Mäxchen vertrieben. Vom über der Kneipe liegenden Balkon prosteten uns ein paar westfälische Fans in Kostümen zu, der eine als Tiger, der andere als Krokodil verkleidet. Das wollte Opa sehen und obwohl die “Balkontiere” uns nicht reinlassen wollten, standen wir nicht mal fünf Minuten später in deren Hotelzimmer und tranken deren Bier – Amateure! :D

Auf der Weiterfahrt zur nächsten Kneipe wurde Opa etwas “verschönert” – ob der Aufkleber mit der Schwangerenberatung eine Anspielung darauf ist, dass Opa im Winter etwas zugelegt hat? ;)
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FOTO Aufkleber

Wir alberten durch die Stadt, lernten ein paar interessante Kneipen kennen, Opa traf noch ein paar Bekannte und der Abend tingelte bis auf einen kleinen, unschönen Vorfall feuchtfröhlich in einer Kneipe direkt in Opas “Hood” aus. So schön kann es sein, wenn alles nah dran ist.

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