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Opas Reisetagebuch – 14.5.2016 – Mainz – Oh, Oh, Opa…

Prolog
Opa musste ein paar Auswärtsspiele aussetzen, die Arbeit im Garten und in der neuen Laube rief. Nichtsdestotrotz gab´s natürlich Hertha und Fußball, die Auswärtsspiele in der Kneipe, aber auch sonst gab´s in den rund zwei Monaten genug zu erleben. In chronologischer Reihenfolge:

Opa überwand z.B. seine Höhenangst und besuchte die Spielstätte der SG Blauweiß Friedrichshain, die auf dem Dach der Metro am Ostbahnhof spielen.
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FOTO Fußballhimmel

Auf dem Weg zum Landesligaspiel von Concordia Britz Mitte März bewunderte er, wie Berliner Fans mit den Plakaten umgehen, die der Verein aus Gesindelkirchen hier hat kleben lassen.
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FOTO Plakatverschönerung

Für den hitzigen Fight gegen Friedenau wurde sogar das Banner der Britzer Jungs ausgerollt.
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FOTO Britzer Jungs

Von Friedenau, die in der Landesliga alles andere als beliebt sind, kamen aber nur ein paar Spielerfrauen mitsamt Proseccokörbchen. Und so beließ man das Kräftemessen bei der Flüssigkeitsaufnahme.
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FOTO Leergut

Zwischenzeitlich begann der Wahlkampf fürs Präsidium von Hertha BSC. Opas Freund und Anwalt des Vertrauens, Bert Handschumacher, tritt bei der Wahl an und Opa unterstützt ihn bei seiner Kandidatur. Wahlprogramm, Termine bei OFCs, Fototermine, Homepage, Social Media… es war einiges zu tun, worüber im weiteren Verlauf noch zu berichten sein wird.

Als Ablenkung vom Wahlkampfstress gönnte sich Opa ende März das Freundschaftsspiel bei Hertha Zehlendorf, die den Stadtteilverein aus dem Wald empfingen. Alles sehr nah zum Anfassen, die Genossen Zingler und Arbeit ratschten nur einen Becherwurf entfernt, doch neben abstrus vielen sich anbiedernden Gästefans waren obendrein gefühlt die halbe Zivischaft angereist. Business as usual.
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FOTO Zehlendorf

Wenige Tage später stand das erste Halbfinale des Berlinpokals zwischen dem Oberligisten Lichtenberg und dem Landesligisten Makkabi an. Mit dem Andrang hätte wohl niemand gerechnet. Jedenfalls standen noch während des Spiels viele Fans draußen, um happige 8 € Eintritt für ein ziemlich lustlosen Kick loszuwerden. Von Gästefans zudem keine Spur.
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FOTO Lichtenbergschlange

Es stand noch ein weiterer Leckerbissen an, das Halbfinale im Berlin Pokal zwischen Preußen und Staaken. Die Fans aus Staaken reisten mit einem Sonderbus an, Seenoteinsatz bei Ankunft inclusive und während des Spiels war ordentlich was los, auf dem Feld und auf den Rängen.
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FOTO Bürotechnik in Mariendorf

Ende März verstarb völlig überraschend und unerwartet ein Fan aus unserer Mitte, mit dem Opa in letzter Zeit vor und nach den Heimspielen zusammenstand. Von jetzt auf gleich fiel er daheim einfach um und hinterließ ein nicht zu ersetzendes Loch in unseren Herzen. Zu seinem Andenken fertigte Opa ein Banner, was daheim im Flur noch riesig aussah…
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FOTO Banner im Flur

…war im Stadion dann eher „übersichtlich“…


FOTO Banner

…aber die Geste zählt. Miko, Deine gute Laune und Dein Lächeln wird uns allen fehlen – Halte bitte im blauweißen Himmel einen Platz im Fernsehraum frei! Schnüff…

Mitte April, nach Installation von Kaltwasserleitungen (unter lautem Fluchen) in der Laube widmeten wir uns dann einem Projekt, was seit letztem Sommer auf der Agenda stand: Ein Rugbyspiel zu besuchen. Es stand ein Bundesligaspiel Berlin gegen Hannover an und Opas Rugbykumpel hatte fachkundige Anleitung in Form eines Jugendtrainers organisiert, der uns geduldig wie verständlich die einem sich nicht immer erschließenden Regeln erklärte. Ein toller Sport, irre harte Tacklings (bei denen Fußballpussys wohl alle liegengeblieben wären), aber sehr, sehr fair, angefangen vom Handshake nach einem Tackling, dem extrem respektivollem Umgang mit dem Schiedsrichter und die Applausgasse am Ende, wo die unterlegene Mannschaft dem Sieger applaudiert. Opa mag diesen Sport!
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FOTO Rugby

Doch es gibt so viel Fußball, dass Rugby da kaum unterzubringen sein wird. Es stand einen Tag später das Derby in Bernau an. Also rein in den Regio und hin da. Ein prall gefüllter Sportplatz bei Einheit Bernau, hunderte Anhänger beider Vereine sahen ein eher übersichtliches Spiel der Gastgeber, die Gäste, die heiß wie Frittenfett schienen, machten das Spiel frühzeitig und souverän klar. Das konnte selbst der berühmte Stadionsprecher nicht mehr herausreißen ;)
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FOTO Bernau

Aber auch in Berlin wurde Fußball gespielt. Halbfinale im U17 Berlinpokal zwischen dem BSC und Hertha BSC. Prominentester Gast am Vorabend des Pokalhalbfinales war Herthas Cheftrainer, der sichtlich nervös seinem Sohn beim Kicken zuguckte.
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FOTO Pal

Es stand am Folgetag das erste Pokalhalbfinale seit rund 30 Jahren an. Opa war heiß wie Frittenfett, auch wenn er ein eher mulmiges Gefühl hatte. Alles war für ein Fußballfest angerichtet. Das Stadion war gerappelt voll, diesmal im Gegensatz zu vielen anderen Gastspielen nicht mit Anhängern von Biene Maja, sondern mit Herthanern. Ein Traum in blauweiß, der dann leider ein weniger traumhaftes Spiel geboten bekam, denn Hertha schaffte es nicht, gegen eine topeingestellte Mannschaft aus der Bierstadt Duftmarken zu setzen. Wäre eine gute Möglichkeit gewesen, den einen oder anderen Gelegenheitsfan zum Erwerb einer Dauerkarte zu überreden, aber so werden wir wohl nächste Saison wieder unter uns bleiben. Hertha und Großchancen haben ein traditionell eher schwieriges Verhältnis.
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FOTO Pokalhalbfinale

Schon am nächsten Tag spielte Herthas U23 gegen den FC Schönberg, auch da war noch eher bedröppelte Stimmung. Zwei Tage später dann Opas Alptraumspiel gegen die Seppls. Oder besser gesagt das, was sich dafür hält. Ronny aus Radebeul Arm in Arm mit dem Erfolgs-Yuppie aus Mitte, der als „Manager of irgendeinem Gedöns“ Erfolg über alles stellt. Was eine ekelhafte Vorstellung, zumal auch bei uns plötzlich Gestalten auftauchen, die man sonst eher selten sieht. Immerhin gab´s hübsches Feuerwerk.
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FOTO Schall und Rauch des Bauernspiels

Gott sei Dank gibt’s als Kontrastprogramm zum Gästepublikum des Vortags am nächsten Morgen Herthas „Ama zwee“ in der Bezirksliga. Frühmorgens trifft man die „Familie“, schlürft einen Café, wunschweise aus einem hübschen Keramikbecher…
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FOTO Keramikbecher

…und sinniert über Sinn und Unsinn des Herthanerdaseins.

Zu diesem Sinn gehört scheinbar auch das Thema mit den Aufklebern. Opa hat ja schon ein paar gemacht und verteilt, eine seiner ersten Auflagen mit dem Reichbahnbrand hat es jetzt sogar geschafft, bei vice veröffentlicht zu werden:

„Deutsche Reichsbahn, die Ossi-Bahn hieß DR, plus Feuer gleich Hertha, darunter hängt der Spruch „Wir brennen für Hertha”. Kein Wunder, dass die Ost-Bahn nicht mehr fährt.“

LINK Vice https://sports.vice.com/de_de/article/der-ultra-stickerkrieg-auf-der-a10?utm_source=sportsfbde&utm_medium=link

Opa im Geist der Traditionspflege :D Die neuesten Sticker huldigen Opas Wahlheimatbezirk, der sich bei der Eingemeindung in Groß Berlin einen neuen Namen gab, weil der alte so ein schlechtes Image hatte. Heute dürfte das wohl umgekehrt sein ;)
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FOTO Rixdorf Sticker

Beim letzten Auswärtsspiel, was Opa verpasste, fuhr er in seine Stammkneipe, dem Herthaner in der Nähe vom Hermannplatz. Alles voller Behelmter. Ach du je, Opa wollte doch nur Fußball gucken.
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FOTO Herthaner voll mit Wannen

Die Auflösung ist relativ simpel, es war Walpurgisnacht, am Reuterplatz war ne Demo angemeldet, da ist Vater Staat nervös und sieht das als willkommenen Anlass zur „Weiterbildung“ seiner Vollzugskräfte. Naja.

Themawechsel zum Wahlkampf. Besuche bei OFCs und anderen Fanclubs sind auch für Opa erhellend. Beim HFC Moabit kannte nicht ein einziger Opas Reisetagebücher, das änderte sich an dem Abend und Opa hinterließ mal gleich eine Duftmarke :D
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FOTO Screenshot Rixdorf über Moabit

Nächster Tagesordnungspunkt waren die Kegler, die einen Tag später dran waren. Am Betriebsbahnhof Schöneweide, direkt am Adlergestell kegeln Herthas Kegler im Vereinsheim von Lok Schöneweide. Der Trophäenschrank ist reich gefüllt, die 1924 gegründete Kegelabteilung war in ihrer fast 100jährigen Geschichte 10 mal Deutscher Meister und sogar schon Pokalsieger. Wären doch unsere Fußballer nur halb so erfolgreich ;)
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FOTO Wimpel

Wer dort als Herthaner hingeht, muss sich nicht anmelden. Immer Mittwochs ab 16 Uhr wird eine Kugel geschoben, neue Gesichter sind immer Willkommen, die Wirtin schenkt liebevoll gezapftes Pils aus…
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FOTO Nachschub

…es gibt zu zivilen Vereinsheimpreisen Wiener und Knacker zu essen und die Kegler freuen sich ernsthaft über jeden, der kommt, ob er nur zugucken oder mitspielen will.
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FOTO Keglerpanorama

Sympathische Truppe, die regelmäßig Auswärtsfahrten zu ihren Auswärtsspielen machen. Das ist auf jeden Fall etwas für ein Opas Spezialreisetagebuch (33 Scrabblepunkte!). Ebenfalls sympathische Randanekdote: Herthas Kegler sind in ihrer Geschichte zwischendurch u.a. als „Rot-Weiß Neukölln“ angetreten und hatten ihre Spielstätte an der Hasenheide.
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FOTO Rot-weiß Neukölln

Anfang Mai stand das Hertha Inside Frühjahrstreffen an. Opa weiß nicht mehr, das wievielte Treffen das war, aber er hat kein einziges bereut und war diesmal wohl ein Anwärter auf den Wanderpokal, denn als er heimkam, war schon hell. Selbst zweimaliges Erscheinen der Ordnungshüter vermochte es nicht, unsere Runde aufzulösen :D
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FOTO HI Treff

Nach Darmstadtspiel gab´s wieder eine Partie Ama zwee im Wedding bei prächtigem Sonnenschein. Ja, so ein Anpfiff um 10:15 Uhr an einem Sonntag nach einem Heimspiel ist hart, wenn die „Nachbesprechung“ etwas ausgeartet ist. Das Leben ist manchmal hart, aber wir sind Hertha. Am Nachmittag dann weiter zum nächsten Wahlkampftermin. Im Fanprojekt gab´s eine Vorstellungsrunde der Kandidaten, zu der bis auf den Präsidenten und einer der neuen Kandidaten alle erschienen und durchaus erkennen ließen, wofür sie stehen. Es wird spannend. Opa wird keine „Wahlempfehlung“ abgeben, alle Kandidaten dürften Hertha würdig zu vertreten wissen.

Und jetzt auch genug des ausführlichen Vorgeplänkels, kommen wir zur

Reiseplanung und -vorbereitung
Opa hatte sich relativ schnell entschieden, mit einer Truppe zu fahren, die in Teilen zur „Neukölln“-Connection gehört. Passend dazu kamen in den Tagen vor der Fahrt Opas bestellte T-Shirts.
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FOTO Rixdorf

Diesmal musste Opa nichts weiter vorbereiten (was ganz gut war, denn die Tage vor der Reise lag Opa mit Fieber flach). Einer bot an, Hackepeter zu besorgen, ein anderer besorgte zwei Kästen Bier, ein anderer2 Flaschen Weinbrand. Was sollte Opa da noch beitragen? Na gut, Opa besorgte die Zugtickets für die achtköpfige Reisegruppe und strich über 600 Bahnbonuspunkte ein, die Verlängerung des Vielfahrerstatus ist damit sicher :D

Naja, ein wenig musste Opa nachhelfen beim Thema Kühlung. Bei 10° Garagentemperatur lagerndes Bier ist außerhalb des trinkbaren Bereichs. Also packte Opa bei sich in der Laube 2 Kisten in den Kühlschrank.
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FOTO Kühlschrank

Obendrein musste angesichts der langsam sommerlich werdenden Temperaturen für Unterwegskühlung gesorgt sein. Also fuhr Opa am Vorabend der Fahrt noch zu seinem Gashändler uns besorgte eine Styroporbox mit rund 7 kg Trockeneis (charmanterweise gab´s das als Feierabendgeschenk). Noch schnell das Trikot bereitgelegt (es wurde zu blauweißem Outfit aufgerufen) und ab ins Bett.

Anreise
Um fünf Uhr aufstehen für Hertha? Ah, Opa hatte schon verdrängt, wie ätzend das ist. Also schnell in die Laube, Getränke und Kühlakkus gebunkert und ab Richtung Bahnhof. Am Treffpunkt war die Reisegruppe vollzählig und es gesellten sich noch zwei weitere Mitreisende zu uns. Noch kurz überlegt, ob wir doch anders als geplant fahren, aber am Ende haben wir uns dann für die geplante Hintour entschieden. Und wir wurden nicht enttäuscht.

Im ICE enterten wir erstmal das Bistro, wo uns der Zugchef aber angesichts unserer Selbstverpflegung charmant rausschmiss. Eine Vorhut entdeckte drei Waggons weiter zwei freie Tische, die wir in Beschlag nahmen. Die Hackepeterbrötchen…
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…waren exzellent, nur mit den exotischen Getränken einiger Mitfahrer fremdelte Opa etwas…
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FOTO Rhabarber-Wein-Schorle

Es dauerte nicht bis Wolfsburg, als die ersten Klopfer ausgepackt wurden. Ist ja nicht so Opas Ding, aber wir hatten Spaß. Beim Spiel, wer welche Zahl hat, tauchte die Frage auf, ob höhere oder niedrigere Zahl gewinnt. Opa schlug als neue Variante eine Art Memory vor. So lange trinken, bis beide die gleiche Zahl haben :D
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FOTO Kümmerling

In Wolfsburg war ein Binnenschiffer mit dem Verladen seines Autos beschäftigt. Angesichts der Abgaskrise könnte man das aber auch als schönes Sinnbild für den Zustand des Wolfsburger Autobauers nehmen, dessen von betrügerischen Managern zu verantwortende Autos eigentlich versenkt gehören.
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FOTO Verladung

Mit Schokolikör und einem Krümel Trockeneis machte Opa ein paar Zaubertricks…
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FOTO Trockeneis

…während andere Mitfahrer sich eher „gesund“ ernährten.
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FOTO Melone

Ein paar Mitfahrer plärrten und lärmten mindestens so laut wie Fußballfans. Opa ist ja nicht schüchtern und siehe da, ein Kegelclub auf Auswärtsfahrt, der sichtlich beeindruckt war, als Opa Herthas Kegelabteilung und deren Erfolge aufzählte. Stilvoll stießen die mitreisenden Damen mit einem Piccolöchen an oder wie es der Lateiner ausdrücken würde: „In dubio prosecco“
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FOTO Piccolo

In Köln stiegen wir um (Assi-Frankfurt wollten wir uns sparen) und enterten einen IC, der die malerische Rheinstrecke entlang fuhr. Unser Stimmungspegel passte so gar nicht zu den sonstigen Mitreisenden, aber dafür konnten wir ja nichts. Ein junge Schweizerin (mittlerweile Fan von Opas Reisetagebuch bei facebook) mitsamt mitreisender Mutter und ein älteres Ehepaar mitsamt mitreisender Schwiegermutter wohnten unserem Schauspiel bei, wie wir unsere Getränkevorräte dezimierten.

In Mainz angekommen enterten wir ein Schließfach und warteten auf die Shuttlebusse Richtung Stadion.
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FOTO Shuttlebusse

Eine andere Möglichkeit gibt’s nicht, zum Stadion zu kommen, was am Stadtrand auf einer grünen Wiese ohne jegliche weitere Infrastruktur steht. Schöne neue Stadionwelt, auch bei Hertha gibt’s ja einige, die das wollen. Opa lässt sich von diesen gern als Traditionalist verspotten, so lange die an ihrem ersehnten Betonkasten ersticken (den wir uns eh nicht leisten können – aber das würde an dieser Stelle zu weit führen).

Die Shuttlebusse halten irrsinnigerweise auch nicht am Stadion, sondern „in der Nähe“ – ein Fußmarsch von weiteren 15 Minuten ist einem sicher. Glücklicherweise gibt’s Bierbuden am Wegesrand zwecks Wegzehrung.

Am Stadion angekommen begaben wir uns auf den hermetisch abgeriegelten Gästebusparkplatz. Bekannte Gesichter fanden sich zum Familientreffen ein und Opa liebt diese Familie. Viele wollten mit Opa aufs Saisonende anstoßen und Opa hat sich an der Stelle wohl etwas verschätzt. Zu wenig gegessen, die ganze Woche krank gewesen und überwiegend flüssige Nahrung auf der Hinfahrt forderten ihren Tribut. Gut, dass Opa eine Sitzplatzkarte hatte.

Vom Spiel bekam Opa nicht mehr allzu viel mit und nach dem Spiel hätte er wohl Hilfe annehmen sollen, die ihm angeboten wurde, denn, was die Überschrift schon andeutet, lief nach dem Spiel irgendwie alles anders als geplant. Irgendwie saß Opa in einem Shuttlebus zum Bahnhof und ist wohl eingenickt. Der Busfahrer schmiss ihn aber nicht am Bahnhof, sondern irgendwo am Stadtrand raus. Opa wusste nicht, wo er war geschweige denn, wie er zum Bahnhof kommt. Das pikante an der Situation war, dass Opa den Schließfachschlüssel am Mann hatte. Das bimmelnde Telefon, die drängenden Mitfahrer, all das half in dem Moment wenig. Nach einem Fußmarsch von einer guten halben Stunde erreichte Opa dann eine Bushaltestelle und auch einen Bus, der Richtung Hauptbahnhof fuhr.

Dort warteten allerdings nicht nur die vollkommen zu Recht sauergefahrenen Mitfahrer, sondern auch noch die Botschaft, dass der letzte Zug nach Berlin schon weg war. Oh, oh. Wir fanden eine Verbindung über Hannover, wo wir nachts zwei Stunden Aufenthalt hatten, um dann mit dem Warschau-Prag-Nachexpress weiter Richtung Berlin zu fahren. Die Stimmung nachvollziehbarerweise frostig, separierte sich Opa erstmal Richtung Bordbistro, um mit Café, Limo und Mineralwasser wieder fit zu werden. Ihm gegenüber ein paar Fans aus Gesindelkirchen, die mit ihrem versöhnlichen Saisonabschluss am Ende ganz zufrieden waren.
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FOTO Gesindelkirchenfans

Einigermaßen pünktlich strandeten wir kurz nach Mitternacht in Hannover. Im Untergeschoss des Bahnhofs machten wir uns bei einem SB Bäcker bequem, zumindest, soweit das dort möglich ist. Die Ladensecurity achtete darauf, dass die „Schnapsleichen“, die der Laden magisch anzuziehen scheint, nicht allzu sehr ausarteten. Ein betrunkener Pole zündete sich eine Zigarette an, eine Pfandsammlerin gönnte sich ein Nickerchen, partyhungrige Jugendliche oder Junggebliebene stärkten sich zwischen zwei Clubbesuchen. Zille hätte seine helle Freude an den Vorlagen gehabt. Die Stimmung bei uns? Immer noch frostig. Da hatte Opa was angerichtet, auch wenn die eine oder andere humorvolle Bemerkung fiel, die Vergebung erhoffen ließ.

Gegen 2 Uhr früh kam der Sonderzug der Hannoveraner aus München an, hunderte Sechsundneunziger strömten durch den Bahnhof. Opa hatte sich mit drei Kumpels verabredet, die er von der Pokalfahrt nach Frankfurt kannte und die so freundlich waren und Opa zum Zug eskortierten, wo Opa vom Schaffner beim Einsteigen erstmal angepöbelt wurde, er dürfe da nicht einsteigen und zwei Bahnbehelmte ihn sogleich beiseite schoben, weil die wohl einen Schwarzfahrer aus dem Zug entfernten.

Der Warschau-Prag-Express ist ein merkwürdiger Zug mit noch mehrwürdigerem Publikum. Am besten drückt diese Merkwürdigkeit die in den 80er Jahren eingerichteten Waggons und deren einladendes Vorhangdesign aus.
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FOTO Vorhänge

Opas Reisegruppe setzte sich einen Waggon weiter, es schien eh beinahe aussichtslos, dass wir zusammen sitzen. Opa versuchte in einem Großraumabteil mit gefühlten 45° Raumtemperatur wenigstens ein paar Minuten Schlaf zu finden. So bekam Opa auch nicht mit, dass nach einer Weile einer unserer Mitfahrer vom Schaffner aus dem Zug geschmissen wurde. Es ist müßig zu sagen, was gewesen wäre, wenn Opa es mitbekommen hätte, vermutlich wäre Opa wohl aus Solidarität mit ausgestiegen. Noch müßiger ist allerdings, dass Außenstehende sich am nächsten Tag einmischten und das Verhalten der Gruppe rügten, denjenigen allein zurückzulassen. Die Gruppe sprach sich noch am Morgen aus und wir können uns alle in die Augen gucken. Wir haben alle in einer Ausnahmesituation Fehler gemacht, in die man erst aufgrund Opas Eskapaden hineingeraten war.

Als Fazit der Fahrt, bleibt wohl festzuhalten:
1. Wer mit Opa reist, wird mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit etwas erleben.
2. Wenn man ein Ticket hat, was zwei Tage gültig ist, kann man das auch abfahren.
3. Opa ist kein Held, sondern ein Normalsterblicher, der auch mal einen schlechten Tag erwischt.

Um kurz nach 5 Uhr morgens erreichten wir Potsdam. Wir hätten auch noch rund zwei Stunden warten können, bis der Warschau- vom Prag-Express abgekoppelt ist und im Hauptbahnhof der Hauptstadt eintrudelt, schneller ging´s mit einem Regio, der uns die letzten Meter Richtung Heimat brachte.

Was für eine Tour, was für ein Saisonabschluss. Jetzt wird neben der Fahrt erstmal das Verpassen der direkten Qualifikation des internationalen Geschäfts und das Verpassen von 2 weiteren Plätzen in der TV Geld Tabelle verdaut. Opa passt halt perfekt zu Hertha, auf den letzten Metern wird geschwächelt. Sehen wir das Verkacken der Qualifikation positiv, so beginnt für Herthafans schon Ende Juli die Saison, während Anhänger anderer Vereine einen Monat länger warten müssen. Ätsch. Und Opa ist dann sicher in besserer Form.

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