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Opas Reisetagebuch – 12.12.15 – Darmstadt – Hackepeter und das Märchen der Freiheit

Prolog
Märchen beginnen meist mit „Es war einmal“ und handeln von Traumwelten, in die man sich in der Phantasie flüchten kann. Auch Opa träumt manchmal. Zum Beispiel davon, in einem Land zu leben, in dem universelle Rechte geachtet werden. Oder davon, Fußball ungefiltert, „roh“ und echt erleben zu dürfen.

Eigentlich sollte an dieser Stelle die Vorfreude darauf stehen, ein neues Stadion kennenzulernen. Eins, in dem Hertha das letzte mal vor 38 Jahren in der Bundesliga spielte. Eins, was sich den urigen Charme alter Kampfarenen erhalten hat. Größtenteils nichtüberdacht, hemdsärmelig, ehrlich. Warum es anders kam? Lest selbst!

Im Vorfeld kommunizierte Hertha wie immer auf ihrer Homepage, was denn so alles mitdarf nach Darmstadt und was sonst noch zu beachten ist. Normalerweise „business as usual“, aber diesmal kam´s ganz knüppeldick. Das lag zum einen daran, dass man den Herthafans bis auf Zaunfahnen, Trommeln und Megaphone ALLE Materialen verboten hatte. Keine Schwenkfahnen, keine kleinen Fahnen, keine Doppelhalter, nichts. Übrigens entgegen der Empfehlung des DFB. Zur Begründung wurde auf das Fehlverhalten anderer Fanszenen in Darmstadt verwiesen. Man nahm die Herthafans also für Vergehen vorheriger Gästefans in Sippenhaft. Als hätte das nicht schon gereicht, gab´s obendrauf noch die Botschaft: „Das Herumlaufen in der Innenstadt sowie das Einkehren in Lokale ist nicht gestattet. Dies wird sofort durch die ansässige Polizei unterbunden“.

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SCREENSHOT Das darf mit nach Darmstadt

Ein Sturm der Entrüstung brach los und nicht einmal 24 Stunden später gab es dann wohl ein Einsehen und man bezeichnete die harschen Worte vom Vortag als „Missverständnis“. Es sei natürlich jeder Willkommen in Darmstadt und jeder könne sich auch frei bewegen, nur größere Gruppen würden eskortiert. Ah ja. Materialien blieben aber weiter verboten. Auch Hertha rang sich eine Stellungnahme dazu ab, weil die kommentarlose Übernahme einer offensichtlich rechtswidrigen Anordnung dann selbst für das bisweilen tapsige Kommunikationsverhalten einen Zacken zu viel war. Wer allerdings dachte, mit dieser Erklärung sei nun alles wieder gut, hat nicht verstanden, worum es eigentlich geht.

Einige witzelten in Foren schon, dass sich Opas Prolog mit dem Thema fast von alleine schreiben würde. Recht hatten sie. Die Beschränkung von universellen Grundrechten wegen eines Fußballspiels? Opa nimmt an, dass einige Verantwortliche (und deren überflüssigerweise bei solchen Gelegenheiten aus deren Löchern kriechende Claqueure) genau das im Kopf haben, was sonst in dem Körperteil ist, nach dem Darmstadt benannt ist.

Laut Wikipedia ist die Herkunft des Namens dieser Stadt zwar unbekannt, ein paar Spekulationen über keltische Begriffe oder nach einem Bächlein gibt’s, aber man kann das relativ zügig überspringen. Darmstadt heißt so, weil es einfach scheiße ist.

Opa wird sich im Laufe dieses Reisetagebuchs noch mehr aufregen. Klar ist aber eins: Man kann gar nicht assi genug sein, um die Scheiße zu kompensieren, die diejenigen verbocken, die ein Fußballspiel und dessen Drumherum zu organisieren haben. Die kriegen dafür sogar Geld, dass sie versagen und jeder Betroffene hat das Recht, denen die Nase zu zeigen, weil sie schlichtweg unfähig sind! Doch dazu später mehr.

Böllenfalltor. Na klar wollte Opa da hin. Aktuell das einzige Stadion in Liga 1, welches er noch nicht kannte. Beim letzten Aufeinandertreffen war Opa noch nicht mal im Stimmbruch und Auswärtsfahren war damals genau wie Heimspiele im bürgerlichen Elternhaus nicht drin. Fußball ist doch Proletensport, da wird nur gerauft. Und betrunken sind da auch alle. Jo, so wie Opas Eltern auch, wenn Besuch kam. Und der kam oft. Das mit dem Betrunkensein war also kein schlüssiges Argument, das mit dem Raufen schon eher. Ja, das ist nicht so Opas Ding, da selbst mitzumischen, aber es gibt durchaus nachvollziehbare Aspekte, warum sich einige rund um den Fußball raufen wollen. Kräftemessen, Reviermarkieren, etwas Verbotenes tun, stark sein.

Das war früher übrigens deutlich (!) schlimmer als heute. Wer sich über heutige Verhältnisse mokiert, wo beim Betreten des Innenraums von einem Dutzend Gestalten schon von einem „Eklat“ gesprochen wird, von „neuen Dimensionen der Gewalt“, der scheint erfolgreich verdrängt zu haben, was die Altvorderen seinerzeit Wochenende für Wochenende machten. Da gab´s selten geschulte Ordnungsdienste in den Stadien, die Behelmten waren auch eher Statisten, Sicherheitskontrollen beschränkten sich häufig im Wesentlichen darauf, dass keine Anhänger mit Bierkisten in den Block mitgenommen wurden. Heute sind die Kontrollen wesentlich (!) schlimmer, das Fernsehprodukt „Fußball“ ist weitgehend zu einem cleanen, fast sterilen, familiengerechten „Event“ zusammensynthetisiert. Da regen sich viele halt über den kleinsten Pups auf. Oder wenn ein Spieler beim Popeln erwischt wird.

Opa sprach im Vorfeld mit alten Recken, die vor 38 Jahren auswärts dabei waren. Die bekamen glänzende Äuglein und schwärmten von ihrem Platzsturm quer über den Platz, um sich Fahnen zu sichern und die Rauflustigsten der anderen zu treffen. Heute undenkbar, da würde es abends einen Brennpunkt im Fernsehen geben. Damals völlig normal, das gab weder Spielabbruch noch größere Konsequenzen, man musste höchstens dem Fanbetreuer ordentlich einen ausgeben. Die guten alten Zeiten. Und genau diese hat man sich am Böllenfalltor bewahrt, was quasi ein Gegenpol zu allem ist, was in den letzten Jahrzehnten in Fußballdeutschland Einzug gehalten hat, mit seinen Betonarenen, mit klimatisierten Sitzen, heuchlerisch lächelnden Hostessen, mit seinen Plastikbezahlkartensystemen, vergitterten Gästekäfigen und dem ganzen Unsinn, den Opa jede Fahrt aufs Neue anprangert. Es hätte so schön werden können am Böllenfalltor. Hätte.

Reisevorbereitungen
Dass Opa fuhr, war also klar. Mit wem und wann fügte sich diesmal relativ spontan, aber nicht weniger angenehm zusammen. Neben Opas Begleiter, der ihn seit einigen Spielen eskortiert (und nebenbei dankenswerterweise auch bei Opas Laubenausbau anpackt), waren ein paar Damen der ehem. Reisegruppe Sonnenschein und deren männliche Anhängsel dabei.

Das Heranschaffen des Reiseproviants wurde diesmal als Gemeinschaftsaufgabe verteilt. Einer brachte fürs Frühstück Hackepeter und Brötchen mit, Opa steuerte Zwiebeln und Boulettchen bei, nach langem Hin- und Herüberlegen begleitete Opa auch seine Eiswürfelbox, die mittlerweile schon arg zerschunden, aber immer noch treu ihren Dienst verrichtet und daher von Opa auch nicht aufs Altenteil geschickt wird.

Anreise
Um acht traf sich die Reisegruppe am Bahnhof, um einen unvergesslichen Tag zu begehen. Merkwürdig auffällige, unauffällige Gestalten beobachteten die Szenerie. Entweder gab´s neue Zivten oder aber fremde Szenen haben „Kundschafter“ zum Bahnhof entsandt, um die Lage zu checken, wer mit welchem Zug anreist. Egal, das gehört bei einigen wohl zur Wochenendbeschäftigung. Wer´s braucht. Opa amüsierte sich derweil über den weihnachtlichen Kopfschmuck, den eine der mitreisenden Damen für die Ladies unserer Reisegruppe mitgebracht hatte.
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FOTO Kopfschmuck (pixel)

Der Intercity nach Basel wurde zeitig bereitgestellt, so dass wir schnell Richtung Bahnsteig hetzten, um uns Plätze an den Tischen zu sichern. Dabei verfolgten wir unterschiedliche Strategien. Während die einen am Ende des Zuges suchten, wählte Opa mit seinem Begleiter zielstrebig eine andere Taktik und sicherte zwei Tische mitsamt Nachbarreihen. Die anderen stießen wenige Minuten und ein Telefonat später hinzu.

Pünktlich rollte der Zug los. Kurz vor Spandau die Durchsage, dass der Ausstieg „rrrrrechts“ (in bester Christoph-Maria Herbst „Föhrer“ Persiflage gesprochen) sei und der gesamte Waggon lachte lauthals. Die Ansagen machte danach eine andere Schaffeuse.

Als klar war, dass unsere Tische safe sind, wurde erstmal Frühstück ausgepackt. Die Blicke der Mitreisenden auf unseren Frühstückstisch waren eine Mischung aus Neid und Ekel. Beim Pellen der Zwiebel fiel Opa der neue „Ist mir egal“ Song der BVG ein, indem eine Textzeile „Zwiebel schneiden, ist mir egal“ (bei Minute 1:06) vorkommt. Und Hackepeter ohne Zwiebel geht einfach nicht.
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FOTO Frühstückstisch

Opa war zwar in Frühstückslaune, aber noch nicht in Musikstimmung. Und so rollten die Herren der Reisegruppe auch kollektiv mit den Augen, als die Damen mit ihrer eigenen (!) Bluetoothbox Musik anmachten, die, naja, wie soll man sagen, böse schlimm war. Aber was will man machen, wenn erwachsene Frauen zum Mädchen werden, große Pupillen wie Spongebob bekommen, wenn er vom Geist der Weihnacht erfährt und das nur, weil gerade „PUR“ sich wie eine Fräse durchs Gehör in das Gehirn fräst und eine Schneise der Verwüstung im Musikgeschmack hinterlässt, als sei gerade ein taumelndes Dumdumgeschoss durch den Kopf gegangen. Meine Fresse, war das grauenhaft, mindestens genauso wie der Beutel einer Mitfahrerin :D
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FOTO Zünderella Beutel

Mit jedem Schlückchen und Kilometer, den wir unserem Zwischenziel Frankfurt näher kamen, stieg aber sowohl die Stimmung als auch die Kreativität. Aus Nostalgie hatte eine Mitfahrerin einen Peter Niemeyer Becher mitgebracht, der angesichts des wegen des den Tisch durchbiegenden Mett-Tiers flugs umbenannt wurde. Um es auf Berlinisch zu sagen: „Det heeßt Hackepeter“
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FOTO Hackepeterbecher

Die Stimmung stieg, als die Musik sich zwischenzeitlich ob deutlich vernehmbarer Kritik besserte und während die einen im angesagten ICE-Style feierten…
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FOTO ICE Style

…besudelten andere sich ihre Hosen.
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FOTO Sudelhose

Apropos Hose. Opa versuchte zwischenzeitlich auf dem ICE Klo die Hose zu öffnen, als er feststellte, dass der Reisverschluss schon offen war, dabei war der „Schniepel“ (also der vom Reißverschluss) noch oben. Gnarz, Reißverschluss kaputt, zwei Zähne ausgerissen. Naja, mit so einem Hip Bag kann man das ganz gut kaschieren, es blieb auch nichts anderes übrig, Opa hat nun fast alles dabei, aber keine Ersatzhose und auch wenn es ab einem gewissen Pegel an sich wurst ist, ob man eine Hose anhat oder nicht, war Opa von selbigem noch weit entfernt, im Gegensatz zu anderen Mitreisenden, die mit nacktem Oberkörper sich und den Tag feierten. Alles friedlich, selbst die Schaffnixe waren tiefentspannt.

Opa ging auf Erkundungstour, wer sonst noch so im Zug war. Ein paar bekannte Gesichter, ein paar neue, u.a. welche, die es sich auf dem Boden bequem gemacht hatten…
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FOTO Bodenhaltung

…und die Opa gleich einluden, von ihrem mitgebrachten Haselnussbrand zu kosten. Eigentlich wollte Opa ja erst auf der Rückfahrt Schnaps trinken, aber wenn er so freundlich eingeladen wird, wäre es doch ungastlich, wenn er dies ablehnte. ;)

Zwischenzeitlich bekam Opa eine Menge Nachrichten, von denen 3 Gespräche bemerkenswert waren.

1. Die „komischen Vögel“ aus Hannover waren auf dem Weg nach Hoppelheim und man wünschte sich 2 Auswärtssiege. Die hatten auch Mettbrötchen dabei, stellten aber fest, dass sie keinen Pfeffer dabei hatten. Opa empfahl, doch mal bei den Behelmten nachzufragen, die haben schließlich Flüssigpfeffer dabei ;)

2. Eine Hertha Auswärtslegende, gegen dessen Anzahl an Auswärtsfahrten und Anekdoten Opas gefüllte Tagebücher novizengleich erscheinen, war ebenfalls unterwegs und ganz offensichtlich seeeehr gut ausgerüstet hinsichtlich seiner Spirituosenvorräte:
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FOTO HÜBI

3. Opas Mitfahrerin aus München war mit einem früheren Zug gefahren und mittlerweile in Darmstadt angekommen. Sie schrieb „Keine 10min in Darmstadt und mir wurde unaufgefordert erklärt, in welche Richtung ich mich zu bewegen habe“, was das Ausräumen des „Missverständnisses“ vom Vortag ins erwartbar richtige Licht rückte.

Viel zu schnell war die Fahrt mit dem ICE beendet. Frankfurt hieß es umsteigen in den Regio Richtung Darmstadt. Am Frankfurter Hauptbahnhof, der als Kopfbahnhof angelegt ist, gibt’s mittig auf den Bahnsteigen aber Fußgängertunnel, in denen man die Gleise wechseln kann. Also in einer größeren Gruppe runter. Die Frage nach dem richtigen Gleis erübrigte sich, denn am Nachbargleis waren auffällig viele Sturmtruppen mit ihren kläffenden Grenzhunden aufgezogen und machten sicher Werbung für den bald anlaufenden Star Wars. Oder so. Mit einem „Dööömdöödödööm“ auf den Lippen zogen wir an ihnen vorbei und enterten den Zug, während sie draußen aufpassten, dass das Geländer nicht umfällt.
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FOTO Lord Helmchen

Wenige Minuten später erreichten wir Darmstadt Hauptbahnhof. An den Treppenaufgängen und oben auf der Balustrade massiver Auftritt von Sturmtruppen des Imperators, die waren scheinbar motiviert. Auf was auch immer. Aber das Spiel können wir auch. Also alle wieder rein in den Regio und weiter gefahren. Denn wenn man diese „Freaks“ irgendwie treffen kann, dann mit etwas ungeplantem, spontanen. Weil sie das überhaupt nicht mögen und weil man ihnen damit auch die Macht nehmen kann. Es war klar, dass wir uns entgegen der Ansage nicht würden frei bewegen können und wenn das eh klar ist, dann machen wir das so, wie wir es wollen und nicht umgekehrt.

Als alle im Zug waren, wurde die Weiterfahrt aufgehalten, die wollten uns nicht uneskortiert fahren lassen. Also kam Bewegung in den „uniformierten Landfriedensbruch“, der bislang die Treppen und Fluchtwege versperrte und die stiegen am Kopf des Zuges zu. Als das erledigt war, wäre es natürlich großartig gewesen, wenn alle wieder ausgestiegen wären, aber die Tür ließ sich nicht mehr öffnen. Naja, eine Notfallöffnung wäre gegangen, aber man muss es ja nicht eskalieren lassen. Eine Station weiter, in Darmstadt Süd, stiegen wir also aus. Ein Bahnhof, wie er auch in Eisenhüttenstadt nicht hätte hässlicher sein können. Der ganze Bahnhof vollgemalt mit „netten“ Botschaften.
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FOTOS FUCK Gäste, Scheiss Gäste

Nur wofür man stehen wollte, darüber konnte man sich wohl nicht einigen…
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FOTO Nur der…

Aus dem Bahnhof raus kamen wir exakt 15 Meter, dann zogen die Behelmten einen Kessel um uns. Ah ja, so sieht das also in der gelebten Praxis aus, was der Fanbeauftragte der Darmstädter am Vortag noch so ausdrückte:

„Hertha-Anhänger, auch gerne als solche erkennbar, sind grundsätzlich in Darmstadt willkommen! Unsere Gäste aus Berlin dürfen gleichermaßen Lokale besuchen und sich die Stadt anschauen, wie Darmstädter Anhänger auch.“

Und der Einsatzleiter der imperialen Sturmtruppen nannte es in seinem Fanbrief so:

„Die Polizei Darmstadt wünscht den Gästefans aus Berlin eine gute und störungsfreie Anreise, allen Zuschauern an diesem Tag ein interessantes Fußballspiel und – bei aller sportlicher Rivalität – ein friedliches und faires Miteinander.“

Das „Willkommenheißen“, “Stadtanschauenkönnen” und „friedliche und faire Miteinander“ sieht dann also so aus:
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FOTO Panorama Polizeikessel

Dazu völliges Durcheinander. Eilig wurde ein Lautsprecherwagen angekarrt, der im „Es spricht der Föhrer“ Ton sagte, es gäbe keine Möglichkeit, von hier zu Fuß zum Stadion zu gelangen (aus welchem Grund, blieb verborgen) und man müsse den bereitgestellten Shuttlebus nutzen. Als dieser vorfuhr und sich die Türen öffneten, wurden jedoch diejenigen, die einsteigen wollten, von den Behelmten daran gehindert. Ah ja. So schlau muss man also sein, um bei der „Volkspolizei“ zu arbeiten. Wäre es nicht so traurig, müsste man sie den ganzen Tag auslachen.

Nach einigem Warten, wo nichts weiter passierte, setzte sich der Trupp plötzlich in Bewegung. Wir liefen also zum Stadion. Muhahahaha, emsige weiße Mäuschen auf dicken BMW Motorrädern (aus Berlin natürlich!) regelten unseretwegen den Verkehr, der sich beachtlich aufstaute.
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FOTOS Stau (2 pix)

Mit durchaus beachtlichem Marschtempo rannte der Tross über abgeriegelte Hauptverkehrskreuzungen, für die Bahnliebhaber gab´s mit einer historischen Straßenbahn auch was zu gucken, oder war das ein Exponat des Darmstädter Fortschritts?
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FOTO Straßenbahn

Opa hatte mit einigen anderen keine Lust auf dieses Tempo. Plötzlich überholten ihn einige der eskortierenden Behelmten und meinten, wenn wir nicht mitkämen, sollten wir wenigstens auf dem Bürgersteig laufen. Hä? Was war das denn für ein Schwachsinn? Naja, es gab die Gelegenheit, sich kurz an der Tankstelle zu versorgen und dann hinterherzudackeln, bis an einer Bushaltestelle der uns ebenfalls begleitende Shuttlebus anhielt und uns zusteigen ließ. Nochmal Muhahaha, wir saßen im Warmen, ließen uns chauffieren und die Sturmtruppen des Imperators (der mit dem friedlichen und fairen Miteinander) mussten laufen. Bergauf. Darauf musste Opa sich erstmal eine Mische machen und stellte dabei fest, dass die Haltegriffe der Darmstädter Busgesellschaft perfekt als Becherhalter designt waren. Wenigstens ein Lichtblick im ansonsten öden Kaff.
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FOTO Becherhalter

Ansonsten scheinen die Eingeborenen eine Affinität zu merkwürdigen Verzierungen zu haben. Wo bei uns in den Fenstern blinkende Lichterketten hängen, dass man denkt, es habe ein neues Bordell eröffnet, hängt man zur Weihnachtszeit in Darmstadt offensichtlich seeminengroße Kugeln an kahle Laubbäume. Auch nicht hübsch, aber wenn man in einer Stadt wohnt, die so heißt, kommt´s auch nicht mehr drauf an.
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FOTO Christbaumkugeln

Am Stadion schmiss uns der Busfahrer am Heimeingang raus und sagte, den Rest müssten wir laufen. Dass der Weg durch ein Waldstück führt, war im Vorfeld bekannt. Dass er an einem Schützenverein vorbeiführt, bei dem an diesem Tag geschossen wird, nicht. Ähm, wie war das mit Sicherheit und Angst vor Panik nach den Attentaten von Paris? Wäre es nicht irgendwie sinnvoll, wenigstens am Spieltag dafür zu sorgen, dass man so etwas nicht mißinterpretieren kann, dass in Stadionnähe geschossen wird? Die Panzereinsätze im Inneren fordernden Angstbeißer werden sicher auch dafür eine einfache Erklärung haben, wie auch sonst scheinbar auf jedes Problem einfache Lösungen bevorzugt werden. Internieren, Einsperren (im Zweifel auch mal sich selbst) und höhere Strafen. Auch Sicherheitspolitiker sind lächerlich und bisweilen überkommt mich mit denjenigen, die den Schwachsinn exekutieren müssen, ein ganz klein wenig Mitleid auf. Daher: Augen auf bei der Berufswahl.

Kleine Anekdote noch am Rand: Während wir da so einsam durch den Wald streiften – man hätte dort auch „Das Wirtshaus im Spessart“ drehen können – großartiger Film, die älteren Leser werden sich erinnern – liefen wir an einem Fahrzeug vorbei, dessen Besitzer entweder eine große Affinität zu Alliterationen oder zum Dadaismus hat und das auch mit seinem Autokennzeichen auszudrücken pflegt. Oder einfach nur Babysprache kann. Man weiß es nicht…
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FOTO DADA

Und dann, gefühlt 25 Minuten später durch den Wald, ragen die Flutlichtmasten aus dem Horizont. Opa wollte „Fußball, ick kann Dir sehen, riechen, schmecken“ schreien. So, liebe „Muschiarenen“-Liebhaber, genau so muss ein Stadion eines Kuhkaffs wie Darmstadt aussehen. Grüner Rasen, eine überdachte Haupttribüne und der Rest „oldschool“, von Opa aus auch gern alles schön im Wald. Noch einige Schritte weiter sah man einen Teil der Berliner Busse. Eigentlich wollte Opa seine Tasche in einem der selbigen unterstellen, doch die anderen Busse waren auf einem anderen Parkplatz und gelaufen war Opa heute schon genug. Also nutzte Opa die Gepäckabgabe am Stadion.

Am und im Stadion
Mit der Hektik einer Schildkröte tuddelte eine Ordnerin an den Gepäckstücken herum, klebte in Allerseelenruhe einer Garderobiere eines sehr schlecht besuchten Museums die Klabchen auf Gepäck und Eintrittskarte und brachte die Taschen um die Ecke. Ja, um die Ecke. Die standen im Freien. Bei Nieselregen. Naja, bei „oldschool“ muss man scheinbar auch dabei Kompromisse eingehen. Während Opa da anstand und schon nach der Eistonne blickte (Geduld ist nicht immer seins und Durst hatte Opa auch), beobachtete er einen Teil der Einlasskontrollen, wo abseits in Anwesenheit vollgepanzerter Behelmter (mit Helm auf!) ein Fan, der auf Krücken ins Stadion wollte, pingeligst durchsucht wurde, incl. seiner Krücken, die auseinandergebaut wurden. „Herzlich Willkommen“ und „faires und friedliches Miteinander“? Vielleicht bekommt Opa ja noch eine Antwort aus Darmstadt, ob es das ist, was sie darunter verstehen, jemandem die ärztlich verordneten Hilfsmittel verdachtsunabhängig auseinanderzuschrauben. Gut, dass die Herthafans so besonnen waren.

Nach längerem Anstehen war Opa dran. Das Sicherheitskonzept war dreistufig. Erst Karte abknipsen, dann erste Kontrolle mit Abtasten, dann eine zweite Kontrolle mit nochmal abtasten und schließlich noch ein Supervisor, der Opa dazu zwang, seine Powerbank abzugeben. Ah ja, so stellt man sich in Darmstadt also funktionierende Kontrollen vor. Die sich im Übrigen fast ausschließlich gegen Fans richteten. Wer eine Bombe hätte deponieren wollen, hätte das unbehelligt tun können. Einfach an der Taschenabgabe abgeben, drin wäre sie gewesen. Toll!

Das absurdeste am Darmstädter „Sicherheits“-“Konzept“ war aber, dass es einen Späher gab, der mit dem Fernglas von einem Hügel anrückende Fans über Funk meldete wie seinerzeit bei Asterix der dicklippige Afrikaner im Ausguck des Piratenschiffs, der immer „’öme’! ‘öme’! ‘öme’!“ schrie, um vor den römischen Galeeren zu warnen.
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FOTO Horchundguck

Apropos ‘öme’ – Drinnen im Stadion omnipräsente Behelmte, die stets und ständig in Bewegung waren. Meist mit Helm auf, drunter eine Sturmmaske, als wären sie von der GSG9 und müssten gerade Geiseln aus den Fängen arabischer Terroristen entreißen. Leute, das ist ein Fußballspiel und wir sind da, um Spaß zu haben. Wenn ihr Bock habt, Euch zu kloppen, müsst ihr eine andere Sportart wählen! Von Vertretern der Exekutive erwartet Opa jedenfalls mehr Zurückhaltung, wenn das so weitergeht, wird um jeden Gästeblock der Republik demnächst mit Kleinbonum, Babaorum, Laudanum und Aquarium befestigte Lager der Behelmten angelegt, um die unbeugsamen Gallier, äh, quatsch, Herthaner zu belagern. Oder hat Opa etwas verpasst und wir haben längst Bürgerkrieg?

Opa brauchte erstmal ein Bier und es gab sogar richtiges Vollbier, sogar regional, Pfungstädter aus Pfungstadt bei Darmstadt. Schön oldschool, im Gegensatz zum aufgerufenen Preis, der sich mit stattlichen 4 € am „Bundesliganiveau“ orientierte. Aber immerhin freundlich und einigermaßen fix serviert und dabei sogar gut gezapft. Diese Qualität an Service und Tempo bei Hertha würde den Bierabsatz im Olympiastadion schlagartig nach oben katapultieren.

Ebenfalls lobenswert war die Auswahl an Speisen. Zwar gab´s nur drei Sorten Bratwurst (Normal, Rindswurst und Paprikawurst, jeweils für 3 €) und Pommes (2,50 €), aber dafür wurde das wenige, was angeboten wurde, in hervorragender Qualität kredenzt. Als Opa sich nicht entscheiden konnte, ob es die regionale Spezialität Rindswurst oder die Paprikwurst werden sollte, gab´s vom Grillmeister einen Probehappen abgeschnitten. Toll! Und bei Hertha undenkbar!? Auch hier wäre weniger manchmal mehr. Was nutzt mir ein breitgefächertes Angebot aus Schnitzel, Bratwurst, Currywurst, Pizza, Pommes, Fish&Chips, Fischbrötchen, Crepes, Hot Dogs etc, wenn kaum etwas davon genießbar ist. Zurück zur Paprikawurst, eine pikant gewürzte Rindswurst im Stil einer Krakauer mit knackigem Biss und handfester Größe, liebevoll serviert in einem knusprigem Brötchen, das muss „Stiftung Stadionbratwursttest“ trotz eher rustikaler Verkaufsstätte mit seit Generationen verkleckertem Senf und Ketchup mit einem eindeutigen „sehr gut“ bewerten.
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FOTO Bratwurst

Nicht ganz so lobenswert was die Toilettensituation. 2 Container flankiert von ein paar Dixies, dazu unbefestigte Wege, das gibt eine ziemliche Schweinerei.
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FOTO Toiletten

Dass die Böden unschön aussehen, ist das eine, etwas anderes ist, dass weder Seife noch Handtücher da waren. Angesichts der Vielzahl an Händen, die Opa beim Spiel schüttelt, schüttelt´s ihn irgendwie. Oldschool muss doch nicht heißen, wie im Mittelalter auf Errungenschaften der Zivilisation zu verzichten. Würden sich die Verantwortlichen mal mehr Gedanken über die Seuchenprävention machen anstatt darüber, wie man mit aller Macht verhindert, dass Bengalos ins Stadion kommen, wäre allen mehr geholfen als mit der jetzigen Situation.

Putzigerweise unterstellt die Darmstädter Marketingabteilung ihren Anhängern Schwierigkeiten mit der Standhaftigkeit. Nun ist erektile Dysfunktion das eine, die Werbung für ein solches Präparat beim Fußball etwas anderes. Klar wäre es schön, wenn das Thema aus der Schmuddelecke rauskäme, mit einer solchen Fremdschämkampagne drückt man es aber genau dahin:
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FOTO Lattenpillen

Auf den Toilettencontainern eine große Auswahl an Fanstickern anderer Fanszenen, einiges überklebt, vieles unangetastet und eines „Best-of“ würdig:
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FOTOS Sticker

Endlich rollte der Ball. Ein nicht überdachter Gästebereich ist selten und erfordert für koordinierten Support deutlich mehr Aufmerksamkeit als unter normalen Umständen. Unser Vorsänger löste das nach anfänglichen Schwierigkeiten aber gut und bis in die erstaunlicherweise leeren Außenbereiche klappte das ganz gut.

Apropos leere Außenbereiche. In den Wochen vorm Spiel gab´s mal wieder den üblichen Run auf Karten. Jede Menge Anfragen erreichten Opa und sein „großväterlicher Rat“, im Zweifel einfach ohne Karte zu fahren, verhallte mal wieder ungehört. Nicht nur, dass am Vortag des Spiels schon die facebook Tauschbörse für Hertha Tickets mit übrig gebliebenen Karten geflutet wurden, es wurden auch vorm Stadion Karten wie Sauerbier angeboten und einige vermutlich sogar unter Preis verkauft. Glaubt Opa doch endlich mal, wenn er Euch sagt, dass ihr selbst bei ausverkauften Spielen IMMER ins Stadion kommt. Wer deswegen nicht gefahren ist: Ätsch!
Und Opa hat zwischenzeitlich einen Standardtext vorbereitet, um Fragen nach Karten „abzukürzen“.

Zurück ins Böllenfalltor und den nicht vollen Gästeblock:
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FOTO PANORAMA

Die überdacht auf der Haupttribüne (!) agierenden Ultras von Darmstadt (scherzhaft von uns „Sitzplatzultras“ getauft) machten ordentlich Krach, aus dem Gästeblock ließ sich nicht einschätzen, wie laut die Herthaner wahrgenommen wurden, aber Opas Kundschafter, die sich auf der Haupttribüne eingeschleust hatten, unterrichteten ihn aus zuverlässiger Quelle darüber, dass der Support der mitgereisten Herthaner trotz widrigster akustischer Verhältnisse „vernehmbar“ war.

Und wir hatten viele Gründe zu feiern und laut zu sein. Schnell fiel das erste Tor und der Block rastete aus, was auch daran lag, dass trotz „DDR Einlasskontrollen“ ein Rauchtopf den Weg in den Block gefunden hatte und mit blauem Rauch der Freude Ausdruck verlieh, genau wie ein Bengalo, der einsam und ruhig gehalten vor sich hinbrannte. „Nänänänänänänänänä“ dachte sich Opa, das war ein Mittelfinger an alle Sicherheitsverantwortlichen, die es eben nicht verhindern können, dass Fankultur auch bei unsinnigen Verboten gelebt wird. Jeder Bengalo ist ein Statement, dass man so, wie es derzeit passiert, nicht mit Fans umgehen darf! Begalos sind die stumme Sprache derjeniger, denen man den dringend notwendigen Dialog verwehrt, denen man kaum eine Handbreit Mitsprache einräumt und die die Vermarktbarkeit des Produkts Fußball gefährden, der erst durch die Fans zu dem wird, was er ist.
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FOTO Bengalo

An der Stelle spart sich Opa die üblichen Warnhinweise. Jeder weiß, was Opa davon hält, dass es derzeit verboten und unerwünscht ist und dass von den Dingern Gefahren ausgehen. Es sieht dennoch hübsch aus und Opa sieht´s gern.

Und auch das Taschenverbot wurde umgangen. Opa überlegte kurz, aus der mitgebrachten Tasche eines Bekannten schnell einen Doppelhalter zu basteln :D
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FOTO Bier-Beutel

Hertha spielte die Darmstädter an die Wand. Nicht nur gefühlt, auch von der Statistik sah Herthas Auftritt aus, als würde das Ballett von Barca aufspielen. Drückend überlegen und dann noch die Chancen genutzt. Beim 3:0 wurde erst das Hammerlied angestimmt, danach „Wir sind die Hauptstädter, asoziale Hauptstädter“, bei dem wie zum Beweis Unmengen an halbvollen Bierbechern hin- und hergeschmissen wurden. Freudentaumel, Extase, wie haben wir das vermisst in den tristen Jahren zuvor und wie sehr können wir das jetzt genießen und auskosten. Und das ganze nochmal, als das 0:4 fiel, wieder fliegende Becher, aber in solch einem Moment ist das egal, zumal es eh nieselte und alle langsam zu durchfeuchten begannen.

Da parallel die Ponys vom Niederrhein von den Pillendreher mit 5:0 abgeschlachtet wurden, ist Hertha tatsächlich auf Platz 3 der Tabelle. „Schempjenslieg“ wir kommen! Auch wenn das keine realistische Zielsetzung ist, die Endorphine, die so eine Momentaufnahme freisetzt, sind genial und mit Geld nicht zu bezahlen. Allerdings stellen sich tatsächlich praktische Fragen, denn wenn es so bleibt, brauchen Auswärtsfahrer ggf. in der nächsten Saison einen Reisepass, der für die Einreise in einige Länder zwingend vorgeschrieben ist (Ukraine z.B. akzeptiert nicht einmal Notreisepässe). Vom Schal her ist Opa jedenfalls vorbereitet, an dieser Stelle nochmal herzlichen Dank an den Fotografen vom Innenraum, der Opa mit der Linse erwischte und ihm das Foto so zukommen ließ
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FOTO Schal

Abreise
Nach dem Abfeiern der Mannschaft hatte Opa damit zu tun, seine Taschen wiederzukriegen. Der Rucksack war nicht auffindbar, die Tasche auch nicht. Also hinter die Absperrung gegangen und selbst nach dem Rucksack gesucht. Opa hätte sich jede Tasche nehmen können, so gut haben die also auf fremde Sachen aufgepasst. „Drecksäck’“ würde man in hessischer Mundart zu solchen Menschen sagen, die das zu verantworten haben.

Mit dem Shuttlebus ging es zurück, auf Laufen hatte Opa eh keinen Bock mehr. Am Hauptbahnhof ließ man uns tatsächlich beim Rewe einkaufen. Also schnell 4 Pfungstädter und 4 Cola gegriffen, an die Kasse gedrängelt und nach dem Bezahlen raus zu den anderen, denn der Regio kam bald. Rein da und ab nach Frankfurt, wo Opa kurz mit den aus Hoppelheim kommenden Hannoveranern beriet, ob man gemeinsam zurückfährt, aber das ließ sich nicht arrangieren.

An Opas Geheimstand am Bahnhof noch eine Ladung Eiswürfel organisiert, mit der Sektion „Coswig“ noch ein Schwätzchen gehalten und dann den ICE mit der Taktik der Hinfahrt geentert und Plätze an Tischen organisiert. Die etwas erschrocken dreinblickenden Mitfahrer aufgeklärt, dass sie nichts zu befürchten haben und schon ging die Party los. Bluetoothbox und die richtige Musik und selbst die „unbeteiligten“ Mitreisenden gröhlten irgendwann mit. Und so schunkelten wir Richtung Heimat, die wir pünktlich und friedlich erreichten.

Opa war platt. Platt wie die Versprechungen, dass wir uns frei würden bewegen können und platt wie die Plattitüde eines vermeintlich „fairen und friedlichen Miteinanders“. Bei dem Spiel ist derart viel Porzellan zerschlagen worden im Verhältnis von Fans zu Organisatoren, dass man eine ziemlich große Schaufel braucht, um das zusammenzukehren und unnötig viel Zeit, das wieder zu kitten. Ein Gutes hat es dann aber doch. Es schweißt uns Fans zusammen. Wer immer viel- bzw. nichtssagend die Selbstreinigungskräfte fordert, sollte zunächst einmal erklären, wie er die an sich heterogene Fanszene, die durch das gemeinsame Erfahren und Erdulden von solchem Unrecht solidarisiert ist, zu einem aufrichtigen Dialog auf Augenhöhe bekommen will. Das ist alles nur Feigenblatt, alles nur Augenwischerei, alles nur Blabla. Am Ende bleibt nach einem sportlich tollen Spieltag die bittere Erkenntnis, dass wir Fans, egal ob jung oder alt, Kutte oder Ultra, Männlein oder Weiblein, uns leider nur auf uns selbst verlassen können und wir jede Gelegenheit nutzen müssen, uns zu widersetzen. Denn es bleibt leider ein Märchen, dass man uns Fans wertschätzt.

Wir sind offensichtlich nur gut, so lange wir die Erwartungen von Menschen erfüllen, die unter Fußball etwas völlig anderes verstehen als wir. Sobald wir auch nur ein µ davon abweichen, hagelt es Schlagstock, Pfeffer, kläffende Hunde und andere Unschönheiten. Wenn das Freiheit sein soll, was wir in Darmstadt erlebt haben, dann gibt es keine! Das ist der eigentlich Skandal. Das bedürfte eines Brennpunkts. Das müsste mit „Eklat“ überschrieben sein und die Gazetten füllen.

Stattdessen nur konforme Berichterstattung, denn die Medien sind Teil des Geschäfts und haben kein Interesse daran, ihr Premiumwerbeprodukt zu beschädigen. Diejenigen, die den Fußball zu dem machen, was er ist, werden wie weiland an der innerdeutschen Grenze eingeschüchtert, kontrolliert, überwacht und gegängelt. Freiheit? Das ist ein Märchen!

Und wie jedes Märchen, endet auch das Märchen der Freiheit, welches man uns erzählen will, mit der Weisheit

„Und die Moral von der Geschicht’
der Opa, der kann reimen nicht!
Aber einen Lügner, den ertappt er,
was bei Helmen gar nicht fällt schwer.
Leute seid auf der Hut,
Opa hat eine Stinkwut
auf Schönredner und Claqueure
auf Pharisäer und Arrangeure
auf Sicherheitsfanatiker und deren Truppen,
die uns um unser Recht betuppen.
Lasst das Licht der Freiheit scheinen
indem wir uns´re Fackeln einen!
Lasst es werden ihre Qual -
auswärts sind wir asozial!“

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